"Das Umweltmanagement beginnt bei der Investition"

Interview mit Agnes Schmitter, Leiterin Kältetechnik bei ALDI SÜD

01.12.2014

Die Unternehmensgruppe ALDI SÜD hat vor kurzem ihre 300. Filiale mit Kälteanlagen für Kühlregale ausgestattet, die mit dem klimaneutralen Kältemittel CO2 betrieben werden. Das ist aber nur ein Teil der Maßnahmen, mit denen der Lebensmittelhändler die Nachhaltigkeit in seinen Filialen verbessert. Im Interview spricht Agnes Schmitter, Leiterin Kältetechnik bei ALDI SÜD, über umfassendes Energiemanagement im LEH und den Einsatz intelligenter Regelsysteme bei der Kühlung.
Bild: Frau mit langen blonden Haaren sitzt am Tisch; Copyright: Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Agnes Schmitter: "Kurzfristiger Aktionismus ist nicht ausreichend. Fortschritt in der nachhaltigen Kältetechnik bedeutet bei uns kontinuierliche Verbesserung; © Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Frau Schmitter, ALDI SÜD setzt in seinen Filialen bereits seit mehreren Jahren auf ein nachhaltiges Umweltmanagement in der Kältetechnik. Können Sie die verschiedenen Aspekte des Umweltmanagements kurz erläutern?

Agnes Schmitter: Das Umweltmanagement in der Kältetechnik bei ALDI SÜD hat einen ganzheitlichen Ansatz. Es beginnt bei der Investition und endet bei der Demontage der Kälteanlage. Insgesamt integriert unsere Kältetechnik Lösungen für energiesparende Kühlmöbel, klimaverträgliche Kältemittel sowie die permanente Qualitätssicherung der laufenden Kühlsysteme. Kurzfristiger Aktionismus ist da natürlich nicht ausreichend. Fortschritt in der nachhaltigen Kältetechnik bedeutet bei uns kontinuierliche Verbesserung.

Ich nenne Ihnen gern einige Beispiele: Den Energieverbrauch gegenüber herkömmlichen analog geregelten Systemen konnten wir in den vergangenen Jahren durch Investitionen in moderne und umweltfreundliche Kühltruhen um bis zu 50 Prozent reduzieren. Unsere neuen steckerfertigen Truhen werden mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290) betrieben. Propan trägt nicht zum Treibhauseffekt bei und weist auch keine ozonschädigende Wirkung auf. Wir freuen uns, dass wir heute schon vier von fünf Truhen bei ALDI SÜD mit Propan betreiben können. Unser Ziel ist es, bis Ende 2015 die restlichen F-Gas-Truhen durch propanbetriebene Truhen zu ersetzen.

Herkömmliche H-FCKW-haltige Kältemittel werden von der Europäischen Union erst ab dem Jahr 2015 wegen ihrer ozonschädigenden Wirkung in bestehenden Kälte- und Klimaanlagen verboten. Wir bei ALDI SÜD haben uns jedoch bereits im Jahr 1996 entschlossen, bei Neuanlagen auf ozonschädigende Kältemittel gänzlich zu verzichten. Alle bestehenden Kälteanlagen mit H-FCKW-haltigen Kältemitteln haben wir 2008 zudem durch ozonverträgliche Kältemittel wie R134a (Tetrafluorethan) oder R744 (CO2) ersetzt.

Außerdem statten wir seit 2010 alle Kälteverbundanlagen (NK/TK) in neuen Filialen mit dem natürlichen Kältemittel CO2 (R744) aus. Wir betreiben in über 300 Filialen eine transkritische CO2 Anlage. Ebenso ersetzen wir alte Kälteanlagen mit einem hohen GWP-Kältemittel wie R404A kontinuierlich durch diese umweltverträgliche und effiziente Technologie, so dass wir auch in diesem Jahr wieder deutlich fallende Treibhauswerte aus F-Gas Verlusten und einen reduzierten Energieverbrauch erwarten.
Bild: Kühltruhe; Copyright: Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Intelligente Regeltechnik garantiert bei ALDI SÜD ein optimales Temperaturniveau in den Kühlregalen und Kühltruhen; © Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Mit welchen anderen Maßnahmen erreicht ALDI SÜD eine bessere Energiebilanz?

Schmitter: Auch durch den flächendeckenden Einbau von modernen Leuchtstofflampen mit elektronischen Vorschaltgeräten in Kühlregalen konnten wir bereits eine deutliche Energieersparnis erreichen, und zwar bis zu 35 Prozent gegenüber herkömmlichen Beleuchtungssystemen. Weil die eingesetzten Leuchtmittel eine wesentlich längere Lebensdauer, eine höhere Lichtausbeute und Energieeffizienz zeigen, sparen wir außerdem wichtige Ressourcen und können unseren Elektromüll immens reduzieren. Seit 2012 werden alle neuen Kühltruhen und Kühlregale mit LED-Beleuchtung ausgestattet. Gerade in kalter Umgebung lässt sich die sehr hohe Effizienz dieser LED-Technologie optimal einsetzen.

Aber wir verfolgen auch viele weitere Maßnahmen, darunter beispielsweise die Themen optimierte Nachtrollos, Frigotakt PLUS Regelung (das Frigotakt plus-Regelverfahren berechnet kontinuierlich den idealen Betriebspunkt der Anlage), drehzahlgeregelte Verdichter, Energiesparlüfter, Wärmerückgewinnung, optimiertes Abtaumanagement, Eco-Line Verdichter des Herstellers Bitzer, unterjährige zusätzliche Verflüssigerreinigung oder ein Vollinstandhaltungsvertrag mit festen Wartungsintervallen.

Mit unseren Lieferanten führen wir außerdem quartalsweise Gespräche zu den Themen Energieverbrauch und Kältemittelverluste. Jede neu in Betrieb genommene Anlage wird darüber hinaus durch einen externen Dienstleister technisch abgenommen.

Welche Rolle spielen der Einsatz intelligenter Regeltechnik sowie andere technische Weiterentwicklungen bei den Kühlmöbeln im täglichen Betrieb einer ALDI SÜD Filiale?

Schmitter: Die intelligente Regeltechnik bringt viele Vorteile für den täglichen Betrieb mit sich. Zum einen garantieren wir mit unserer intelligenten Regeltechnik ein optimales Temperaturniveau in unseren Kühlregalen und Kühltruhen. Unser Anspruch ist es, dass unsere Kunden unsere Produkte zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort im Kühlregal oder in der Kühltruhe auf dem geforderten Temperaturniveau erhalten. Die intelligente Regeltechnik unserer Kühlsysteme ermöglicht uns die Verdampfungstemperatur-Optimierung der einzelnen Kühlstellen und der Verbundanlage.

Darüber hinaus haben wir ein Energiemonitoring mittels Datenfernübertragung eingeführt und kontrollieren die Einstellparameter ebenfalls mit Hilfe der Datenfernübertragung. Die Laufzeitkontrolle der Verdichter und das Lastmanagement führen zu einer kontinuierlichen Energieersparnis. Außerdem ermöglichen sie uns in Bezug auf die Anlagen proaktiv zu agieren – anstatt wie früher erst bei Problemen zu reagieren.

Die technische Entwicklung von Mobilec ist gerade im Hinblick auf die ab dem 01.01.2015 in Kraft tretende F-Gas Verordnung im täglichen Betrieb ein großer Vorteil für ALDI SÜD. Mobilec, die Abkürzung für „Mobile Leckage Monitoring System“, ist ein innovatives System zur Qualitätssicherung, um Kältemittelbewegungen und Serviceaktionen, wie Wartungsarbeiten und Dichtigkeitsprüfungen zu protokollieren. Mobilec nutzt die Kommunikation zwischen dem Mobiltelefon des Servicemitarbeiters vor Ort und den Vorteilen einer zentralen Datenverwaltung und -auswertung. So protokolliert Mobilec bereits heute alle Kältemittelbewegungen und informiert die zuständige Regionalgesellschaft automatisch bei einer erhöhten Leckagerate einer Anlage. Durch Mobilec erfüllen wir bereits heute die Anforderungen der „Aufzeichnungs- und Berichtserstattungspflicht“ der kommenden F-Gas Verordnung.

Viele Supermarktbetreiber nutzen Systeme mit integrierter Wärmerückgewinnung, um die Nachhaltigkeit weiter zu erhöhen. Werden solche Lösungen auch bei ALDI SÜD genutzt?

Schmitter: Ja, bei ALDI SÜD unterscheiden wir in unseren Anlagenkonzepten zwischen einer Wärmerückgewinnung aus der Lüftungsanlage und einer Wärmerückgewinnung aus der Gewerbekälte.

Autor: Daniel Stöter; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com