"Das ist das neue Ausstellen"

Interview mit Innenarchitekt Enno Block

02.12.2013

Wer sich auf einer Messe stilvoll präsentieren möchte, der wählt keinen Systemstand von der Stange, sondern einen Individualstand - maßgeschneidert sozusagen. Innenarchitekt Enno Block errichtet seit 17 Jahren leidenschaftlich gern für die Messe Düsseldorf kleine Bauwerke, die zwar nicht dauerhaft bleiben, die aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Uns verrät er, wie er einen Stand inmitten einer riesigen Messehalle in ein Wohnzimmer verwandeln kann. Außerdem lässt er uns hinter die Kulissen blicken und zeigt, welche Trends und optische Schmankerln uns auf der nächsten EuroShop erwarten.
Bild: Designer Village; Copyright: Messe Düsseldorf

Im Designer Village messen sich die Größen der Branche; © Messe Düsseldorf

Herr Block, was bedeutet Individualstandbau eigentlich?

Ein solcher Stand wird völlig individuell gebaut und gestaltet. Wie bei dem Bau eines Einfamilienhauses. Der Architekt setzt sich mit der Familie zusammen und fragen: Was wollt ihr? Wie sieht das Grundstück aus und wie viel Geld habt ihr? Wo sind eure Schwerpunkte? Und was können wir für euch tun? Dann plant der Architekt mit der Familie - in unserem Fall mit dem Aussteller – zusammen den Stand.

Wie lange dauert so eine individuelle Gestaltung?

Das ist abhängig von der Größe - beginnend bei 80 Quadratmetern bis hin zu ganzen Messehallen. Zur Messe 'Boot' haben wir teilweise Stände von bis zu 2500 Quadratmetern. Davon sind dann tausend Quadratmeter doppelstöckig. Für solche Stände brauchen wir schon ein Jahr Vorlauf. Kürzlich haben wir für den Aussteller Uvex – mit sogar anderthalb Jahren Vorarbeit – einen hochindividuellen Stand auf der 'A+A' umgesetzt. Sobald die alte 'A+A' vorbei ist, sitzen wir schon wieder mit deren Marketingabteilung zusammen und planen Stände für die nächste Messe.

So ein Stand kann mehrere hunderttausend Euro kosten.

Ja, aber das sind dann schon die Bonbons für uns Messebauer. Man kriegt aber auch Stände für kleineres Geld.

Der günstigste Individualstandbau, den ich bei Ihnen kriegen kann ...
... sind 50 Quadratmeter Individualstandbau, für 250 Euro pro Quadratmeter. Das müssen Sie sich ausrechnen.

Was ist Firmen heutzutage bei der Gestaltung ihres Messestandes wichtig?

Es ist immer mehr so, dass die Aussteller nicht mehr vordergründig ihr Produkt zeigen wollen. Es rückt in den Hintergrund und die Firma somit nach vorne. Man kommt heute an den Messe-Stand oder bespricht sich in einer Lounge. Das ist das 'neue Ausstellen'.

Man trifft sich, es wird geredet und diskutiert. Man wird eingeladen und in lockerer Runde hat man die Möglichkeit zu ordern. Die reine Produktschau gibt es eigentlich nur noch bei den Maschinenmessen.

Eine Messehalle an sich ist nicht gerade gemütlich für ein Verkaufsgespräch. Wie kann man an einem sehr großen Stand Atmosphäre schaffen?

Wir kennen da ein paar Geheimrezepte. Außerdem muss man die Messe und den Markt kennen: Wo bin ich auf der Messe selbst und wie ist mein Umfeld, wer mein Nachbar? Und wenn Sie es gemütlich haben wollen, Ihre Lounge oder Ihr 'Wohnzimmer' bauen möchten, müssen Sie alle Register ziehen. Das geht über Materialien, die wir aussuchen, und besonders über Licht. Mit der richtigen Beleuchtung haben Sie schon die halbe Miete. Und dann brauchen Sie außerdem warme Materialien und gute Möbel.
Bild: Lighting's Designer Zone; Copyright: Messe Düsseldorf

Licht, Licht und nochmal Licht: Die Lighting's Designer Zone ist zum ersten Mal mit am Start; © Messe Düsseldorf

Was macht für Sie den Reiz aus, Messestände zu bauen?

Was ich am meisten schätze, ist, dass ich immer flexibel bleiben muss. Ich kann mir zwar ganz wenige Denkmäler bauen, weil die Stände nicht bleiben. Aber das macht den Reiz eben aus. Denn nicht alles, was macht man macht, ist ja auch immer gut. Ich muss mich auf eine 'EuroShop', eine 'Boot' genauso wie auf eine 'MEDICA' einstellen. Das heißt, ich muss recherchieren und kann nicht alles gleich bauen. Ein Stand auf der Boot hat andere Parameter als ein Stand zur MEDICA. Die Aussteller, die Besucher und auch der Markt sind ganz anders. Und sich damit auseinanderzusetzen und passgenau das Richtige zu entwerfen, ist spannend.

Und was gibt es auf der EuroShop im nächsten Jahr Spannendes zu sehen?

So einiges! Die EuroShop ist natürlich unsere Veranstaltung. Da trifft sich die Branche, treffen sich Messebauer, Innenarchitekten und Ladenbauer. All die Leute, mit denen wir auch immer zu tun haben. Sie zeigen und messen sich und ihre Produkte. Das ist äußerst spannend. Die EuroShop ist eine der Messen, zu der wir ganz tief in die Trickkiste greifen dürfen.

Es gibt beispielsweise die Lighting Designers' Zone. Dort werden Designer innovative Beleuchtungslösungen zeigen, die es sonst noch gar nicht zu sehen gibt. Die Firmen werden so richtig klotzen. Und völlig herausragend wird dieses Mal das Designer Village sein - ein Konzeptbereich, in dem sich angesagte Designer, Agenturen und Architekturbüros treffen. Sie mieten sich völlig gleichberechtigt einen Konzeptbereich innerhalb dieses Gesamtbereiches, den wir gestalten, um sich zu präsentieren.

Was wäre Ihr Traumprojekt?

Es gibt immer wieder tolle Aufträge. Ich baue gerne große Projekte. Über halbe Hallen und mit einem großen Anspruch, wenn es geht. Das sind Herausforderungen, denen ich mich gerne stelle. Einmal haben wir für die Metro eine ganz Halle ausgebaut. Die Metro wollte klotzen und zeigen, was sie kann. Es wurde viel Wert auf Design und Ausstattung gelegt. Das war ein Superprojekt.

Autor: Natascha Mörs; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com