"Licht wird integrativer und kommt näher zum Produkt"

Interview mit Joerg Krewinkel, Leiter des Lichtplanungsbüros "Lichtkompetenz"

01.03.2014

Er bringt Shops von Istanbul bis Bali zum Leuchten, denn Joerg Krewinkel leitet das international tätige Lichtplanungsbüro "Lichtkompetenz" in der Schweiz. Auf der diesjährigen EuroShop war er als Aussteller auf der ersten "Lighting Designer's Zone" mit dabei. Und obwohl er für sein nächstes Projekt bereits wieder auf dem Sprung ins Ausland ist, nimmt er sich die Zeit und gibt Einblicke in die neuesten Trends der Lichtdesigner.
Bild: Mann im Anzug; Copyright: Messe Düsseldorf

Joerg Krewinkel; © Messe Düsseldorf

Herr Krewinkel, warum ist es wichtig, den Einsatz von Licht genau zu planen und welche Wirkung kann damit beim Käufer erzielt werden?

Joerg Krewinkel: Das Licht lenkt und leitet den Käufer. Perfekt inszenierte Verkaufslandschaften sind einladender und animieren die Käuferschaft, länger im Ladenlokal zu verweilen.

Welche Art von Projekten setzen Sie im Bereich Handel um?

Krewinkel: Wir sind momentan recht interkontinental unterwegs. Wir durften in den letzten beiden Jahren Retailprojekte in Paris, Istanbul, Singapur und Seoul realisieren. Momentan arbeiten wir an großen Handelsprojekten - vornehmlich Departmentstores - auf Bali, Guam und in Macau.

Worin sehen Sie in diesem Bereich die derzeitigen Lichtplanung-Trends?

Krewinkel: Man geht von den diffusen "Lichtsoßen" weg und gestaltet das Licht allgemein szenarischer. Mit den Möglichkeiten der LED wird das Licht zunehmend integrativer und kommt näher zum Produkt. Die deckenintegrierte Beleuchtung wird abnehmen.
Bild: Viele Schaufensterpuppen in einem hell erleuchteten Raum; Copyright: Lichtkompetenz

"Projekte wie Beymen in Istanbul zeigen sehr schön auf, was machbar ist", veranschaulicht Joerg Krewinkel; © Lichtkompetenz

Welche Aspekte müssen berücksichtigt werden, wenn Waren in ein bestimmtes Licht gerückt werden sollen?

Krewinkel: Das hängt wesentlich von der Ware ab. Beim Frischebereich von Lebensmitteln müssen die entsprechenden Farben herausgeholt werden. Im allgemeinen Textilbereich ist auf eine hohe Farbwiedergabestufe zu achten. LED-Lichtqualitäten sollten immer über CRI 90 sein. Das Thema der Beleuchtungsstärke ist auch rückläufig. Es geht heute und in Zukunft mehr um die Kontrastierung der Bereiche im Shop.

Wann sind Sie bei der Arbeit als Lichtplaner am glücklichsten?

Krewinkel: Wir sind am glücklichsten, wenn wir ab der ersten Projektminute involviert sind. Dies ist auch schon das größte Manko, welches uns immer wieder beschäftigt. Sehr häufig wird die Planung ohne unsere Mithilfe gestartet. Und nach einer gewissen Zeit stellt sich die Frage nach der richtigen Beleuchtung. Dann sind gewisse Dinge häufig nicht mehr möglich.
Bild: Heller, lichtdurchfluteter Laden. Links steht ein Regal, rechts runde Tische und Stühle, geradeaus gelangt man über Treppen auf die zweite Ebene; Copyright: Lichtkompetenz
Sie waren Aussteller auf der ersten "Lighting Designers' Zone" - der Ausstellungsfläche speziell für Lichtplaner im Rahmen der EuroShop. Konnten Sie neue Trends zum Thema Licht erkennen?

Krewinkel: Zum einen hat die LED-Beleuchtung die traditionellen Leuchtmittel eingeholt. Hier wird in den kommenden Jahren noch einiges passieren. Zum anderen ist die Interaktivität der Beleuchtung ist ein aufkommendes Thema. Aktive, dynamische Lösungen in den Schaufenstern werden kommen, da heutzutage über Apps das Handling vereinfacht wird. Auch das allgemeine Handling der Beleuchtung soll und wird einfacher werden.

Hierfür haben wir den "light-precisor" entwickelt. Der "light-precisor" ist ein Laser-Pointer unterstützter Verstellmechanismus zum exakten Ausrichten von gerichteten Lichtqualitäten aus einem Pinhole Downlight. Das Feedback war großartig. Wir konnten auf der EuroShop sehr gute Gespräche führen und haben bereits Anschlusstermine in Bearbeitung.

Autor: Natascha Mörs; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com