"Mobile wird sich mittelfristig einen entscheidenden Anteil im Mediamix sichern"

Interview mit Tom Rauhe, Inhaber und Gründer von mobalo

02.03.2015

Mobile Marketing bietet Händlern viele Vorteile, um Ihre Kunden direkter als bisher zu erreichen und anzusprechen, soviel ist klar. Aber was ist die beste Art, um den mobilen Kunden zu erreichen? Ist es die eigene App oder doch die Werbung im mobilen Browser? EuroShop spricht mit Tom Rauhe, Inhaber und Gründer von mobalo, über standortbezogene Werbung und den wachsenden Anteil von Mobile im Mediamix.
Foto: Tom Rauhe; © mobalo

Tom Rauhe: "Eine eigene App bedeutet zum einen hohen Aufwand und verlangt technisches Verständnis, auch vom Betreiber der App"; © mobalo

Herr Rauhe, mobalo unterstützt Unternehmen dabei, ihre Kunden mit mobiler, standortbezogener Werbung zu erreichen. Welche Vorteile hat diese Art der Werbung für das Unternehmen?

Tom Rauhe: Unsere Werbung erreicht potenzielle Kunden auf eine Art und Weise, die der Mediennutzung des 21. Jahrhunderts entspricht: auf mobilen Endgeräten. Zudem ist unsere Werbung extrem flexibel und kann (im Vergleich zu anderer lokalisierter Werbung wie Flyer oder Out-of-Home Werbung) jederzeit angepasst werden was Zeitraum und Inhalt betrifft. Die Kampagne kann damit auch für aktuelle Angebote angepasst und dann sogar pausiert werden, um das Restbudget später zu verwenden.

Das werbende Unternehmen positioniert sich alleine durch die Nutzung dieser modernen Werbung als innovativ, denn auf mobilen Endgeräten werben im Moment hauptsächlich Big Brands. Das Mindestbudget beträgt pro Kampagne nur 100 Euro für 10.000 Werbeeinblendungen im kleinsten Paketpreis.

Mit dem Service von mobalo kann ein Unternehmen seine Werbung in ganz verschiedenen Apps schalten. Können Sie kurz erläutern, wie Ihre Lösung funktioniert?

Rauhe: Jemand in der definierten Werbeumgebung öffnet auf seinem Tablet oder Smartphone eine werbefinanzierte App, welcher er erlaubt hat seine Standortdaten zu verwenden. Eine Anfrage geht vom Gerät an den App Betreiber, nämlich “Hallo, da öffnet einer Deine App, ich brauche ein Werbebanner.”

Der App Betreiber verkauft seine Werbeplätze allerdings über eine sog. Real Time Bidding Plattform. Dort werden solche Werbeflächen in Echtzeit (Millisekunden) zur Versteigerung angeboten. Ein bisschen wie ebay für Werbebanner mit nur einem Bid. An diese Bidding Plattform (Sell Side Platform) sind verschiedene Werbetreibende angeschlossen, zum Beispiel Amazon und große Mediaagenturen. mobalo analysiert die Daten des Banners und bietet auf den Werbeplatz, wenn er zu einer Werbekampagne (lokaler Umkreis) passt, und gewinnt die Versteigerung (zu über 50 Prozent).

Unser Server liefert Ihre Werbeanzeige auf das Gerät und der Nutzer der App, welcher sich in dem definierten Bereich befindet, sieht Ihre Werbung. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zu der Zeit, in der Sie Ihre App öffnen, noch gar nicht klar ist welches Banner erscheint weil das in der Zeit erst ersteigert wird. Das ist der Mediaeinkauf der Zukunft, den wir schon betreiben.

Viele Unternehmen - gerade Einzelhändler - setzen inzwischen auch auf eigene Apps für die Kundenbindung und -information. Welche Vorteile hat diese Art des Mobile Marketing, erreicht das Unternehmen seine Kunden so nicht noch direkter?

Rauhe: Eine eigene App und damit „sein eigenes Süppchen zu kochen“, bedeutet zum einen recht hohen Aufwand und technisches Verständnis, auch vom Betreiber der App. Die App muss nämlich regelmäßig mit relevanten Inhalten bestückt werden. Außerdem muss die App massive Mehrwerte bieten, damit der Kunde sie sich runterlädt. Das alles muss auch kommuniziert werden.

Die Retention, also die kontinuierliche Verwendung, einer App aufrecht zu halten, ist im Moment noch so etwas wie der heilige Gral der App Programmierung, den nur sehr wenige App Developer geschafft haben. Für echte Kundenkommunikation müssten sogenannte Beacons installiert werden, was noch mehr Aufwand für die App bedeutet. Gleichzeitig bewegt man sich mit einer eigenen App immer gefährlich am Rand von „nervt mich“ entlang. Gibt man dem Kunden zu oft zu viele und zu irrelevante Push Nachrichten, ist die App auch sehr schnell deinstalliert.

Eine eigene App zu haben mag zwar chic sein, es hat aber so gut wie noch kein Händler geschafft, damit sinnvoll sein Geschäft zu beleben.

Werden mobile Werbeformen auf Smartphone und Tablet die klassischen Werbeformen wie Anzeigen und Zeitungsbeilagen ersetzen, oder ist hier der richtige Mix entscheidend?

Rauhe: Wenn man sich die Nutzung der Medien ansieht, dann geht der Zeitungskonsum massiv zurück. Die Werbeausgaben übersteigen die Nutzung von Print um rund 400%. Mobile hingegen ist der Medienkonsum zehnmal so hoch wie die Werbeausgaben. Hier muss also von den Werbetreibenden noch viel passieren um angemessene Werbeinvestitionen hinsichtlich der Mediennutzung zu erreichen. Trotzdem sind Printausgaben bereits seit langem rückläufig, übrigens im Gegensatz zu anderen „oldschool“ Werbemaßnahmen wie Radio, Out-of-Home und TV, welche auf gleichbleibendem Niveau sind.

Mobile wird sich also mittelfristig einen entscheidenden Anteil im Mediamix sichern. Nachdem die Werbeausgaben weltweit konstant sind, stellt sich die Frage, welcher Anteil des Kuchens für wen kleiner wird, mittlerweile nicht mehr. Mit unserer Lösung der lokalisierten mobile Werbung, also Nutzer genau dort zu erreichen, wo auch das Angebot besteht, bieten wir einen weiteren Mehrwert, der mobile Werbung mittelfristig noch attraktiver machen wird.

Interview: Daniel Stöter; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com