"QR-Shopping ist der einzige Formfaktor, der über alle Kanäle einsetzbar ist"

Interview mit Matthias Setzer, Leiter Geschäftskundenbereich bei PayPal Deutschland

05.01.2015

Im Schaufenster hängt genau das Kleidungsstück, das man seit langer Zeit sucht, doch das Geschäft ist geschlossen? Ab sofort kein Problem: Eine innovative Art des Einkaufens, die neue Maßstäbe setzt, bietet PayPal aktuell an. Kunden können mit QR-Code-Shopping nun auch nach Ladenschluss oder an Feier- und Sonntagen einkaufen. Wie dieses Modell funktioniert, erläutert Matthias Setzer, Leiter Geschäftskundenbereich bei der PayPal Deutschland GmbH, im aktuellen Interview.
Foto: Matthias Setzer; ©  paypal Deutschland GmbH

Matthias Setzer: "QR-Shopping funktioniert über alle bekannten Kanäle"; © paypal Deutschland GmbH

Herr Setzer, wie funktioniert das Prinzip des Shopping mit QR-Codes?

Matthias Setzer: Das Prinzip ist im Grunde sehr einfach. Die Quick Response (QR)-Code-Technik wird heute bereits von so gut wie allen Smartphones unterstützt und kann daher mit sehr vielen Geräten gelesen werden. In unserer PayPal-App ist eine Lesefunktion bereits integriert. Jeder Kunde kann damit also den Code einlesen, in dem bereits alle kaufrelevanten Informationen enthalten sind.

Anschließend muss der Kunde nur noch Größe und Farbe des Produkts auswählen, die Geschäftsbedingungen bestätigen und sich mit seiner PayPal-PIN identifizieren. Das Produkt wird dann automatisch an die hinterlegte Lieferadresse geschickt. Der Kunde ist übrigens nicht auf die App angewiesen, sondern kann auch mit einem normalen Reader die QR-Codes von PayPal lesen und bezahlen.

Können Sie erläutern, welche Vorteile das QR-Shopping Händlern und Kunden bietet?

Setzer: QR-Shopping funktioniert nicht nur an der Schaufensterscheibe oder am Kassenterminal. Es ist der einzige uns heute bekannte Formfaktor, der wirklich über alle Kanäle einsetzbar ist. QR-Shopping funktioniert genauso wie Werben mit einem gedruckten Katalog oder einer Zeitungsanzeige, einem Plakat, einem Smart-TV oder einem Kioskterminal direkt im Laden. Das ist natürlich ein großer Vorteil für Händler und auch Kunden, die sich systematisch daran gewöhnen können, wie das Shopping mit dieser Lösung funktioniert.

Zweitens ist der QR-Code eine bereits etablierte Technik. Jedes Smartphone kann die Codes lesen und jeder Kunde hat diese Codes zumindest schon einmal gesehen. Obwohl die Tatsache, dass mit QR-Codes auch eingekauft und bezahlt werden kann, noch nicht jedem bekannt ist, wird die Technologie an sich bereits heute von allen Seiten gut angenommen. Wir haben das System vor zwei Jahren in den Markt eingeführt und stellen inzwischen fest, dass die ersten Mitbewerber ähnliche Lösungen entwickeln.

Für den Händler ist natürlich auch der Faktor entscheidend, dass er durch die Nutzung von QR-Codes ganz einfach und schnell seine Ladenfläche erweitern kann, ohne im großen Stil in neue und teure Technik zu investieren. Denn jeder angebrachte QR-Code bedeutet im Grunde eine weitere Verkaufsmöglichkeit.

Ein gutes Beispiel ist das Schaufenster, das natürlich aus Sicht des Handels eine sehr spannende Verkaufsfläche darstellt. Nun ist aber nicht jeder Laden 24/7 geöffnet. In dieser Zeit weckt das Schaufenster zwar Kaufanreize, jedoch hatte der Kunde bisher keine Möglichkeit, dem Kaufbedürfnis sofort nachzugehen. Mit QR-Codes wird das Schaufenster auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten zur produktiven Verkaufsfläche.

Gibt es noch weitere innovative Einkaufskonzepte, an denen PayPal gerade arbeitet?

Setzer: Natürlich bietet es sich an, diese und andere Lösungen auch an anderen Standorten zu implementieren. Denn wir bieten ja auch durchaus noch verschiedene andere Technologien an, dazu gehören zum Beispiel auch unser ortsbezogener Dienst PayPal Check-In. Seit November läuft unser Pilot in Berlin rund um den Rosenthaler Platz. Ein anderes Beispiel: In Paris haben wir mit McDonald‘s eine Lösung umgesetzt, bei der der Kunde von unterwegs über die McDonalds-App bestellen kann. Betritt er dann das Restaurant, muss er nur noch per Scan des Codes auf dem Smartphone sein Essen bezahlen und kann die Bestellung sofort mitnehmen. Das ist natürlich eine völlig andere Variante als das QR-Shopping, aber auch diese wird komplett von PayPal unterstützt. Und inzwischen hat McDonald’s diese Lösung landesweit in Frankreich ausgerollt, worüber wir uns sehr freuen.

Wir versuchen letztlich, weltweit verschiedene Techniken zu präsentieren, die für Kunden und Händler einen Mehrwert bieten. Aber natürlich mit Respekt für die großen Unterschiede bei der Mentalität, die es gerade, wenn es ums Bezahlen geht natürlich immer gibt. Amerikaner können zum Beispiel mit QR-Shopping relativ wenig anfangen, da sie das schnelle Bezahlen per Kreditkarte gewohnt sind. In Deutschland ist es dagegen immer noch wichtig, Lastschrift und Rechnung als Zahlungsmöglichkeit anzubieten, da diese hier immer noch stark nachgefragt werden.

Eine weitere Lösung von PayPal für Mobile Payment ist das Bezahlen per "Check-In". Aktuell läuft ein Pilot in Berlin. Können Sie das Prinzip und die Vorteile dieser weiteren neuen Lösung kurz erläutern?

Setzer: Mit Check-In haben wir eine völlig neuartige Bezahlmöglichkeit für das Smartphone geschaffen. Händler – oder im Falle des Berliner Piloten Gastronomen – und Kunden profitieren gleichermaßen von einer Lösung, die es einfacher denn je macht, mobil zu bezahlen.
Der Kunde ruft über die PayPal-App Händler im Umkreis auf, checkt durch einen weiteren Fingerwisch in das Einzelhandelsgeschäft, das Café oder Restaurant ein und sein Name und sein persönliches Foto erscheinen im jeweiligen Kassensystem.

Wenn der Kunde seine Wunschwaren gefunden oder seinen Kaffee getrunken hat und dem Händler mitteilt, dass er bargeldlos bezahlen möchte, löst dieser den Bezahlvorgang durch einen einfachen Klick auf das Bild des Kunden im Kassensystem aus.

Zahlungsinformation und -beleg erhält der Kunde wie gewohnt über eine Push-Benachrichtigung und per E-Mail, sodass er alle Transaktionen übersichtlich im Blick behält. Die Identifikation des PayPal-Kunden erfolgt sicher und zuverlässig über Bildabgleich; Händler können auf diese Weise aber auch eine persönlichere Kundenbeziehung aufbauen. Zudem müssen sie nie mehr Kunden abweisen, die nicht oder über nicht ausreichend Bargeld verfügen. Konsumenten genießen mit Check-In eine völlig neue Flexibilität beim Einkauf und können ihre Geldbörse getrost zu Hause lassen.

Ein Problem bei Mobile Payment-Diensten ist die fehlende Verbraucherakzeptanz. Wie können Lösungen wie die von PayPal dazu beitragen, dass sich das Bezahlen per Smartphone im Markt durchsetzt?

Setzer: Schon heute können sich 9 von 10 Deutschen gemäß einer PayPal-Befragung aus dem Mai dieses Jahres vorstellen, mit dem Smartphone zu bezahlen. Was sie suchen, sind praktische Lösungen für ihre ganz alltäglichen Probleme beim Bezahlen ihrer Einkäufe. Mit Lösungen wie Check-In, die nicht nur leicht nutzbar sind, sondern Kunden einen echten, klar verständlichen Mehrwert im Alltag bieten, begeistern wir immer mehr Kunden für das mobile Bezahlen.

Interview: Daniel Stöter; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com