„Der heutige Trend geht ganz klar in Richtung Integraltechnik“

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Nikolas Wagner: "Die Tendenz wird in Richtung herkömmliches Träger-
system mit CO2 gehen."

Die Kältetechnik ist für den Lebensmitteleinzelhandel immer noch ein wichtiger Kostenfaktor. In Supermärkten sind allein die Kälteanlagen für 40 bis 60 Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich. Warum die Händler immer stärker auf integrierte Kältelösungen setzen und welche Rolle moderne Technologien für den Energieverbrauch und in Bezug auf die Nachhaltigkeit spielen, erklärt Nicolas Wagner, Leiter Verkauf und Support Kältetechnik Retail beim Kälteanlagenspezialisten Carel, im aktuellen EuroShop.de-Interview.

Herr Wagner, welche besonderen Anforderungen stellt der Handel an die Kühltechnik, verglichen zum Beispiel mit Industrieunternehmen?


Der Unterschied zur industriellen Kühltechnik ist die Komplexität und Redundanz der Kühlanlagen in der Industrie. Der Handel setzt dagegen auf Einfachheit und einen hohen Wiederholungsfaktor. Das wird durch eine modulare Bauweise der Anlagen- und Regelungstechnik realisiert, durch die auch ein schnellerer, flächendeckender Service möglich ist.

Auch für den Handel steht heute die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Wie hilft moderne Kühltechnik, die Energieeffizienz zu erhöhen und Kosten zu sparen?

Der heutige Trend bei Discountern sowie Hypermarkt-Lösungen geht in Richtung Integraltechnik. Denn die während des Kälteprozesses erzeugte Wärme kann zumindest in den durchschnittlich kälteren Regionen in Europa als Heizenergie wiederverwendet werden. Die Kältetechnik wird zunehmend als Generalist im Supermarktbereich zu sehen sein. Die modere Kühltechnik - unterstützt durch vernetzbare Regeltechnik - bietet beste Voraussetzungen, um die Gewerke energetisch optimal zu verknüpften und zu optimieren.

In der letzten Zeit kamen auch alternative Kühlmittel wie CO2 ins Gespräch. Andere Unternehmen setzen zum Beispiel auf Sole als Kühlmittel. Welche Vorteile bieten die verschiedenen Alternativen?

Sicherlich ist CO2 als transkritische Ausführung eine sehr gute Wahl in Bezug auf den GWP-Faktor, also die Treibhausgasemissionen.
Jedoch ist es in dieser Ausführung noch nicht in allen Regionen der Erde als Kältemittel einsetzbar. Heute werden spezielle Methoden eingesetzt, um die Druckverhältnisse zu gewissen Betriebsbedienungen zu minimieren. Da R 404A als Kühlmittel bald nicht mehr verwendet werden darf, hat sich CO2 in verschiedenen Ausführungen der Gesamtanlage sehr gut etablieren können. Die Investmentkosten pro Kühlmöbel haben sich inzwischen drastisch reduziert und auch die Technik ist beherrschbarer geworden. Der Installationsaufwand einer CO2-Anlage ist jedoch immer noch sehr hoch und kostenintensiv im Vergleich mit einer herkömmlichen Anlage.

Die Anlagentechnik mit Solekältemittel hat den schlagenden Vorteil der geringeren Kältemittelmenge. Der Kälteerzeuger hier ist ein theoretischer Kaltwassersatz, der mit jeglichen Kältemittel als Hauptträger betrieben werden kann. Hierzu zählen wiederum natürliche Kältemittel wie Propan, Propen, CO2 oder andere, herkömmliche Kältemittel. Der Installationsaufwand ist auch hier sehr hoch, benötigt aber nicht dasselbe Maß an Erfahrung und Manpower wie bei einem herkömmlichen Kälteträgersystem.
Die Tendenz wird aber in Richtung herkömmliches Trägersystem mit CO2 gehen. Die Zukunft wird zeigen, welches der beiden Systeme sich durchsetzen wird.
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Plant Visor ist eine lokale Über-
wachungslösung mit vielfältigen Funktionen

Mit dem Plant Visor hat Carel ein System im Angebot, das ein komplettes Netzwerk aus Kühlmöbeln steuert. Welche Vorteile bietet dieses System gegenüber alternativen Steuerungen?

Zur Zeit ist die Einbindung der Kühlstellenregler MPXPRO, mit integriertem EEV-Treiber für die jeweiligen Kühlmöbel und der entsprechenden Saugdruckschiebung, Status Quo in der Branche. Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Energiesparfunktionen, um den Betrieb mit dem EEV noch interessanter zu machen.

Der Plant Visor ist eine Lokale Überwachungslösung auf Basis eines Embedded PC mit einer Softwareoberfläche zur Visualisierung der Anlagen und Betriebspunkte. Er ermöglicht außerdem Fernwartung, Aufzeichnung der Temperaturen nach HACCP und Störungsmanagement über verschiedene Wege. Der Vorteil ist natürlich die logische Verknüpfung der Anlagenteile zum energieoptimierten Betrieb der gesamten Installation.

Generell ist unser Überwachungsnetzwerk so aufgebaut, dass betriebssicherheitsrelevante Funktionen immer auf den Feldgeräten ausgeführt werden, um Probleme durch ausfallende Busverbindungen zu vermeiden. Das Überwachungssystem ermöglicht eine zentrale Übersicht und Regelung der energieoptimierten Zusatzfunktionen. Das Überwachungssystem trägt alle notwendigen Daten zusammen, um diese mit speziellen Energieoptimierungs- Plug In’s auszuwerten und zu steuern. Das System Plant Visor Pro ist daher eine sehr gute Möglichkeit, die einzelnen Gewerke aus Kälte-, Klima-, und Lüftungstechnik sowie andere elektrotechnische Einrichtungen zu verbinden.

Mit CAREL retail sistema hat Carel eine Lösung speziell für Supermärkte entwickelt. Wodurch zeichnet sich diese aus?

Carel hat durch den langjährigen Einsatz von verschiedenen Technologien im Bereich Food Retail einen enormen Erfahrungsschatz gesammelt. So konnten wir eine komplette One Stop-Shop Lösung entwickeln, die von der kleinsten Applikation bis hin zu hoch effizienten Lösungen eine Integration der gesamten relevanten Anforderungen ermöglicht. Das ist für unser Unternehmen auch ein wichtiger Geschäftsbereich: Ca. 7 Prozent des Gruppenumsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert, um aktuell zum Beispiel den Ausbau der DC Inverter oder die CO2-Technologie voranzutreiben. In unserer Hauptverwaltung wurde zu diesem Zweck extra ein kleiner Testsupermarkt errichtet. Hier werden die neu entwickelten Applikationen einem Test unter realen Bedingungen unterzogen, bevor sie danach in einem „echten“ Feldtest untersucht werden.

Daniel Stöter; EuroShop.de