„Die Technik muss der Sache dienen“

Mossadegh Hamid © DIMAH
Interview mit Mossadegh Hamid, Geschäftsführender Gesellschafter DIMAH, Ostfildern


Messebesucher sollen nicht vorbeilaufen, sondern den Messestand gern betreten. Wie man das schafft, das ist die zentrale Frage für alle Messebauer. Sie unterstützen Aussteller mit kreativen Ideen und Service vor Ort in der Halle. Mossadegh Hamid, Chef der 1994 gegründeten Stuttgarter Messeagentur DIMAH, will das Unterbewusstsein der Besucher ansprechen, so dass sie ohne lange nachzudenken näher kommen. Dabei ist für ihn Technik zwar wichtig, aber im Vordergrund muss das Kommunikationsziel des Auftraggebers stehen.



Finanzkrise und Aufschwung – wie wirkt sich die Konjunktur momentan auf Ihr Geschäft aus?

Im Moment spüren wir ein starkes Interesse an Messeauftritten mit etwas mehr Design und Kreativität. Unsere Stammkunden buchen wieder alle regelmäßig ihre Standflächen, mindestens in der vor der Krise gewohnten Größe. Auch gewinnen wir immer mehr neue Kunden, die auch das Besondere suchen.


Wohin geht der Trend bei den Firmen-Events?

Etwas von allem. Man ist bereit, mehr Geld auszugeben. Andererseits erwartet man auch mehr Effektivität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.


Welche technischen Neuerungen bei der Event-Inszenierung empfehlen Sie zurzeit Ihren Kunden?

Es ist schwierig, eine allgemeine Aussage dazu zu treffen. Wir arbeiten maßgeschneidert, betrachten zuerst unsere Kunden und nehmen tatsächlich Maß. Dann entscheiden wir welche Technik passt. Andererseits spielt die Technik aber eher eine untergeordnete Rolle, weil es in erster Linie um den kreativen Gedanken geht. Die Technik muss der Sache dienen. Es bringt nichts, die neueste Technik einzusetzen, aber das Thema aus den Augen verloren zu haben. Selbstverständlich muss man bei den technischen Neuerungen immer auf dem neusten Stand sein, um hier fundiertes Know-how an den Kunden weitergeben zu können.


Eine Messe ist kein Rummelplatz. Welche Grenzen gibt es bei der Stand-Inszenierung?

Es gibt keine Grenzen. Es schadet der Kreativität, wenn man an Grenzen denkt.
Es gibt Grundregeln, die jeder Messebauer kennen muss, um ein entsprechendes Konzept zu entwickeln. Darüber hinaus helfen Authentizität des Ausstellers und Markenkommunikation – beziehungsweise eine ganzheitliche Denkweise der Gestalter – dem Aussteller, sich hervorzuheben.

 
 

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Planung vor dem Messebau: Auffallender Messestand für den Chemiekonzern DuPont. Grafik © DIMAH


Wie schafft man es, dass die Messebesucher nicht nur am Stand vorbeilaufen, sondern auch herein kommen?

Der Besucher muss auf dem Stand stehen ohne zu wissen, warum er dort eigentlich steht. Der wirkungsvolle Messestand spricht alle Sinnesorgane der Besucher an. Er wirkt in sich harmonisch und angenehm und appelliert so direkt an das Unterbewusstsein. Das kann man durch die Standarchitektur, Bild, Wort und Sound erreichen. Der Stand muss auf seinen Betrachter wirken wie ein musikalisches Orchesterwerk, das in sich stimmig ist. Viele Aussteller verzichten auf Messebotschaften und richtige Slogans. Das finde ich falsch.


Sollten Aussteller nicht viel mehr in die Motivation und Information ihres Standpersonals investieren statt in immer mehr Technik?

Messen sind Plattformen für Kommunikation. Die Beziehung zwischen den Menschen ist wichtiger als die Technik. Wie gesagt: Die Technik muss der Sache dienen. Der freundliche Empfang, die Art und Weise wie man dem Besucher die Hand gibt, der Umgang mit dem Kunden und das Benehmen sind wichtiger als Technik. Also es ist zu empfehlen, das Personal zu unterrichten und zu informieren.


Kleine Aussteller buchen oft nur Standardstände – und fallen mangels kreativer Ideen kaum auf. Sparen sie am falschen Ende?

Wenn das Budget nicht für einen kreativen Stand reicht, dann habe ich volles Verständnis für einen Standardsystem, wobei man auch hier kreativ wirken kann. Ansonsten würde ich einen teuren Stand mit richtigem Konzept einem billigen Stand mit falschem Konzept vorziehen. Für uns ist es nicht profitabel, unter 20.000 Euro Budget mit einem Konzept anzufangen. Wer viel erreichen will muss auch viel, aber vernünftig investieren.


Einige Firmen verzichten auf Messe-Auftritte und setzen auf Hausmessen. Verstärkt sich dieser Trend aus Ihrer Sicht?

Das glaube ich nicht. Ich denke eher, dass es weniger Hausmessen als früher gibt. Das eine kann das andere nicht ersetzen. Beides sind wichtige Maßnahmen, um Kunden zu gewinnen und zu binden.

 
 

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Messestand für den US-Chemiekonzern DuPont. © DIMAH


Schauen wir zurück auf die EuroShop. Welche Messe-Stände haben Sie gebaut?

Wir waren bei IFES als Unteraussteller und haben keine Stände gebaut, weil wir in der gleichen Zeit auf anderen Messeplätzen aktiv waren.


Wie war Ihre eigene Messe-Bilanz?

Die Messe ist hochinteressant und wir werden hoffentlich, wenn die Zeit es zulässt, beim nächsten Mal mit einem eigenen Stand dabei sein.


Was sind Ihre nächsten Aktivitäten?

Wir arbeiten an einem neuen Webauftritt, der uns noch authentischer präsentiert. Außerdem sind wir dabei, uns lokal stärker zu vernetzen. Mit dem Verein UfO – Unternehmer für Ostfildern – wollen wir eine Plattform der Unternehmer für kulturelle und innovative Veranstaltungen gründen. Das macht mir große Freude. In den nächsten Wochen realisieren wir einer ganze Reihe von Messen für internationale Markenführer wie Mikron SA Agno aus der Schweiz und Gehring Technologies GmbH auf der EMO in Hannover und zahlreiche weitere Kunden wie SMC Pneumatik GmbH, Allianz Deutschland etc.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Markt für Event-Technik-Anbieter entwickeln?

Die Technik entwickelt sich rasanter als früher und ist unabdingbar für die Gestaltung insbesondere für kreative Messe- und Eventauftritte. Für die Anbieter dieser Techniken wird es nicht leichter werden sich auf dem Markt zu behaupten.


René Schellbach, EuroShop.de

 
 

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