„Ein Messestand ist die Bühne eines Unternehmens, das Zuhause auf Zeit“

Quelle: FAMAB
Interview mit Elfie Adler, Geschäftsführerin des FAMAB e.V., Verband Direkte Wirtschaftskommunikation

Messebau-Unternehmen bieten Ausstellern mehr als den Messestand. FAMAB-Geschäftsführerin Elfie Adler sieht sie als Partner für alle Aufgaben rund um die Messe – von der Planung bis hin zu Pressearbeit und Catering. Der FAMAB, der auch auf der nächsten EuroShop ausstellt, ist ein Verband für Messeauftritte und Marketing-Events. Im Interview gibt Elfi Adler Tipps, wie Aussteller ihren Messe-Stress reduzieren und ihre Arbeit verbessern können.

Messen und Weihnachten haben eines gemeinsam: Sie stehen fest im Kalender und kommen dann doch ganz überraschend schnell. Wie können Aussteller den Vor-Messe-Stress vermeiden?

Auch bei der Planung gibt es eine Gemeinsamkeit mit Weihnachten: Rechtzeitig mit der Planung und Vorbereitung des Messeauftritts beginnen, lautet der Schlüssel zum Erfolg. Bestenfalls beginnt der Aussteller direkt nach Ende der Vorveranstaltung mit der Planung, denn dann sind alle Punkte, die auf der Messe gut oder schlecht gelaufen sind, noch präsent. Auf jeden Fall sollte man aber ein halbes Jahr einplanen, um einen Messeauftritt von A wie „Auswahl des Standbaupartners“ bis Z wie „Zielkontrolle“ zu einem vollen Erfolg werden zu lassen.

Ein Punkt, der Messestress vermeidet, ist die Auswahl des richtigen Partners, der für die Realisierung des Messestands verantwortlich ist und dazu noch begleitende Maßnahmen für eine Messebeteiligung steuert. Messebau-Unternehmen sind hierauf spezialisiert und schaffen die richtige Bühne für den Auftritt des Ausstellers. Und zu der Bühne zählt nicht der Standbau allein. Einladung der Messebesucher, Auswahl der Exponate, Planung der Messe-Events zur Aktivierung der Messebesucher, Pressearbeit, begleitende Veranstaltungen zur Messe, Standpersonal-Schulung, Messe-Catering etc. All dies sind Maßnahmen, die einen erfolgreichen Messeauftritt begleiten und bei denen ein Messebau-Unternehmen seine Kompetenz ausspielen kann. Ein Fehler ist es, zu glauben, die konzeptionellen und organisatorischen Aufgaben ließen sich vom Marketing oder Vertrieb des Unternehmens „mal eben nebenbei“ machen. Diese Abteilungen sind mit ihren sonstigen Aufgaben ausgelastet, so dass sie sich um wichtige termingebundene Aufgaben rund um die Messebeteiligung wie Standplatzauswahl, Anmeldungen von Anschlüssen für Wasser oder Strom, Standbau, Genehmigungsverfahren, etc. nicht noch zusätzlich kümmern können.

Nehmen wir das Beispiel FAMAB: Wie bereiten Sie in den nächsten Monaten Ihren Auftritt bei der EuroShop vor?

Wir sind inzwischen mitten in unseren Vorbereitungen. Das Standkonzept steht, an Themen und Inhalten, die wir im Rahmen der EuroShop präsentieren werden, arbeiten wir derzeit.

Was werden Sie den EuroShop-Besuchern zeigen?

Als Verband hat man – ähnlich wie Dienstleistungsunternehmen – wenig zu zeigen, denn die Kompetenz für die der FAMAB steht, steckt in den Köpfen der Mitarbeiter. Was wir aber schon jetzt sagen können: Unsere Einkaufskooperation ESG wird im Rahmen der EuroShop ihren 20. Geburtstag begehen. Auch werden wir jeden Messetag mit einer „gelben Stunde“ ausklingen lassen, bei der die im FAMAB organisierten Caterer des Forums „LECA“ zeigen werden, was in ihnen steckt. Inhaltlich werden wir uns schwerpunktmäßig mit den Themen Nachhaltigkeit und Marken-Inszenierung auseinander setzen – Schwerpunkte unserer derzeitigen Arbeit. Und dann ist da noch unser Ereignisfeld, ein anlassbezogenes Recherche-Tool und Inspirationsinstrument für Live-Kommunikation, das wir im Rahmen der EuroShop in die dritte Dimension überführen werden. Alles Maßnahmen, die unsere Mitglieder stolz auf ihre Verbandszugehörigkeit machen und Marktteilnehmer von einer Mitgliedschaft überzeugen.

Wie werden Sie hinterher den Messe-Erfolg kontrollieren?

Ziele, die wir mit der Beteiligung an der EuroShop verfolgen, sind der Kontakt zu unseren Mitgliedern und Branchenvertretern, die Gewinnung neuer Mitglieder, Kontakt zu Schulen und Studenten, Lobbyarbeit im Sinne der Branche und Öffentlichkeitsarbeit. Natürlich werden wir kontrollieren, ob wir unsere Ziele hier erreichen konnten, auch wenn sie sich zum Teil schlecht operationalisieren lassen. Hier gelten die Ergebnisse der letzten EuroShop aber natürlich als Richtschnur. Wir erfassen Qualität und Quantität unserer Besucher und arbeiten jedes Gespräch im Anschluss an die Messe nach. Bei zurückliegenden FAMAB-Beteiligungen an der EuroShop haben wir noch mehr als ein Jahr von unseren dort geführten Gesprächen profitiert.

 

Quelle: FAMAB
Die Messen konkurrieren immer stärker mit Hausmessen der Firmen. Haben die großen Messen ausgedient?

Auch wenn im Begriff Hausmesse das Wort Messe vorkommt: Es handelt sich hierbei nicht um Messen im klassischen Sinne, denn erstens fehlt das Kräftemessen innerhalb der Branche. Wie steht das eigene Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb? Wie stellt sich die Nachfrage im Markt dar? Welches Unternehmen steht in der Gunst von „Highpotentials“ vorne. Zweitens kommen zu einer Hausmesse nur die Menschen, die ich zu ihr geladen habe. Auf einer „richtigen“ Messe habe ich die Chance, potenzielle Kunden kennen zu lernen, die ich vorher noch nicht kannte. Kurz gesagt: Messen sind Stammestreffen einer Branche, Hausmessen sind vergleichbar mit einem Familienfest. Beides hat seine Berechtigung und hat sicher nicht ausgedient.

Welche Chance haben kleine Spezialmessen mit rund 5000 Fachbesuchern?

In einem Markt mit hoch spezialisierten Produkten und ebenso spezialisierten Nachfragern hat auch eine Messe mit 5.000 Besuchern ihre Berechtigung. Die Hohe Kunst besteht nur darin, die richtigen Aussteller und potenziellen Kunden zusammen zu führen. Eine Aufgabe, der sich immer mehr Messegesellschaften stellen müssen.

Früher wurden auf Messen neue Produkte vorgeführt. Heute gibt es Filme im Web und Communities zum Erfahrungsaustausch. Wie reagieren Sie und Ihre Mitglieder auf die Herausforderung Internet?
Die Online-Kommunikation hat Messen verändert, das ist klar. Im technischen Bereich zeigen Messen weniger das eigentliche Produkt, sondern dienen der Problemlösung des Kunden. Das heißt, dem Standpersonal kommt heute eine viel höhere Bedeutung zu, als es noch vor Jahren der Fall war. Es gilt, Vertrauen in das Unternehmen und seine Kompetenz zu vermitteln und weniger die Ingenieurkunst zu demonstrieren. Völlig anders stellt sich die Situation im gestalterischen Bereich dar. Hier will der Messebesucher spüren, wie sich die Seide anfühlt, wie es sich auf dem Sofa sitzen lässt oder wie ein Messer in der Hand liegt. Dinge, die das Internet einfach nicht vermitteln kann. Die Mitglieder des FAMAB konzipieren deshalb heute viel häufiger kommunikative Standkonzepte mit großen Bereichen, die dem Gespräch dienen und weniger der Produktvorführung. Hier das richtige Maß für die individuelle Darstellung zu finden, darin liegt das Know-how der qualitätsgeprüften Spezialisten.


Show-Programm, Carrera-Bahn und Cocktail-Bar: Für welche Aussteller sind solche Extras sinnvoll?

Dringend abzuraten ist von einem „L’art pour l’art“. Aktionen am Stand machen nur Sinn, wenn Sie auf Marke und Produkt einzahlen und nicht platt für Aufmerksamkeit sorgen. Vor einigen Jahren war Bodypainting eine gern und oft gesehene Aktion am Messestand. Fragte man Messebesucher in der Halle, wo es denn die Aktion zu sehen gäbe, wurde man zielsicher durch die Messehalle geschickt. Allerdings konnte sich kaum einer der Gefragten erinnern, welches Unternehmen es war, an dessen Messestand sich die Aktion abspielte. Auch der Einsatz eines Sternekochs zur Präsentation der Vorzüge eines neuen Backofens hat inzwischen seinen Reiz verloren.


Welche Trends sehen Sie bei den Events am Messestand?

Wenn sich ein Unternehmen für ein messebegleitendes Event entscheidet, dann muss es zu Produkt und Marke passen und nicht eine Me-too-Aktion sein. Die Individualität steht hier im Vordergrund. Beispiele hierfür liefern die mit EVA ausgezeichneten Exhibiton Events. EVA steht hier für Event-Award und die Projekte sind unter www.eva-award.de zu finden.


Und wohin geht die Entwicklung beim Standbau?

Auch hier steht das individuelle Konzept im Vordergrund. Ein Messestand ist die Bühne eines Unternehmens, das Zuhause auf Zeit. Da geht es weder darum, ob Ecken jetzt Rund oder das neue Weiß angeblich Schwarz ist. Auch hier bietet ein Award den Blick auf herausragende Konzepte. Er heißt ADAM und die Preisträger finden sich unter www.adam-award.de.

Interview: René Schellbach, EuroShop.de

 

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