„Wir arbeiten momentan stark daran, die Kühlfahrzeuge flexibler zu machen“

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Super flexibel: In diesem Kühlfahrzeug können drei Temperaturbereiche abgedeckt werden.

Ohne sie wäre der Handel ganz schön aufgeschmissen: Kühlfahrzeuge. Sie bringen temperaturempfindliche Waren von A nach B – egal ob Supermarkt, Kiosk oder Catering. Mit EuroShop.de spricht Dr. Bertold Biffar, Geschäftsführer der TBV Kühlfahrzeuge GmbH, über energieeffizienten Transport von Frischwaren und Kühlfahrzeuge der neuen Generation.

Herr Dr. Biffar, worauf kommt es bei der speziellen Fertigung von Kühlfahrzeugen an?


Bei der Fertigung von Kühlfahrzeugen geht es immer um vier wesentliche Aspekte. Als erstes muss die Nutzlast optimiert werden. Dann sollten die einzelnen Bauteile im Kühlbereich flexibel ein- und umstellbar sein. Darüber hinaus muss die Benutzerfreundlichkeit für das Fahrpersonal gewährleistet sein. Eine weitere Aufgabe ist es, die Kälteverluste und damit die Betriebskosten so gering wir möglich zu halten.

Die Nutzlast wird optimiert, indem wir bei der Ausstattung des Kühlfahrzeuges eine Ausgewogenheit zwischen der notwendigen Robustheit des Aufbaues, der immer ein gewisses Grundgewicht mit sich bringt, und den speziellen Wünschen des Kunden finden.

Was die Fahrer betrifft, muss man darauf achten, dass das Handling am Fahrzeug selbst unkompliziert und leichtgängig ist. Einerseits brauchen die Fahrzeuge ergonomisch sinnvolle Tritte und Stufen. Andererseits müssen die gut isolierten Türen einfach zu öffnen sein, damit auch ein beladener Fahrer sie ohne große Mühe öffnen und somit sicher arbeiten kann.

Die zu vermeidenden Kälteverluste sind sogar in zweierlei Hinsicht problematisch. Einerseits müssen Tempertaturschwankungen bei der gekühlten Ware minimiert werden, damit diese nicht verdirbt. Andererseits entweicht die Kälte, wenn der Fahrer während des Transportes die Türen öffnet, um Waren aus- oder einzuladen. Diese Kälte muss dann wieder teuer eingebracht werden. Hier kann man mit Kältevorhängen und guter Isolierung einiges an Energie und Kälte sparen.

Wie wird dem Kälteverlust bei Türöffnungen durch den Fahrer vorgebeugt?

Es kommt erstmal darauf an, wie viele Türöffnungen man pro Tour braucht. Es gibt Küchenversorger, die machen fünf oder sechs Türöffnungen pro Tour und mehr nicht. Aber dann gibt es andere Touren, bei denen der Fahrer etwa 30 mal die Tür öffnet. Und jedes Mal geht dabei Kälte verloren. Das ist ein enormes Energie- und somit auch Kostenthema.

Damit die transportierte Ware frisch bleibt, muss das Fahrzeug generell möglichst geringe Temperaturschwankungen im Fahrzeug gewährleisten. Mit flexiblen Trennwänden und Kältevorhängen kann man schon eine interne Verschiebbarkeit von Wänden herstellen, damit das zu kühlende Volumen minimal ist. Das heißt, ich muss im Koffer selbst flexible Trennwände haben, und bei den Türen die Kältevorhänge so auslegen, dass sie für den Einsatz optimal sind.

Welches sind die aktuellen Herausforderungen an temperaturgeführte Transporte?

Wir arbeiten momentan stark daran, die Fahrzeuge flexibler zu machen. Das heißt, dass der Kunde sein Fahrzeug so variabel wie möglich gestalten kann. Hierfür gibt es flexible Trennwände, variable Regale und Mehrkammerfahrzeuge, mit denen bis zu drei Temperaturbereiche gleichzeitig abgedeckt werden können. So können Frisch-, TK- und Trockenwaren zeitgleich transportiert werden. Und wenn sich das Auftragsvolumen ändert, können auch die Kühlbereiche entsprechend des benötigten Kühlvolumens optimal angepasst werden.

Ein weiteres Thema ist die Heizung. Denn man vergisst häufig, dass bei Kühlfahrzeugen auch noch die Heizleistung des Kühlaggregats beachtet werden muss. Gerade im Bereich Schnittblumen, Obst, Gemüse hat man auch im Winter, wenn es draußen minus 15 bis minus 20 Grad sind, das Problem, dass man innen heizen muss und somit auch eine Auslegung der Kühlmaschine haben muss, die ausreichend Heizleistung erbringt.

Wohin geht die Entwicklung am Markt der Tiefkühllogistik?

In Zukunft wird der 7,5-Tonnen LKW an Bedeutung verlieren. Das hat den ganz einfachen Grund, dass die Anzahl der Fahrer mit der alten Führerscheinklasse 3 abnimmt. Inhaber dieses Führerscheins benötigen keinen LKW-Führerschein, um den 7,5-Tonner zu fahren. Da sich die Klasse 3 geändert hat, brauchen Fahrer heute einen LKW-Führerschein für den 7,5-Tonner. Und dann können sie auch gleich den mautfreien 12-Tonner fahren, weil sie dann mehr Waren transportieren können. Möchte ein Unternehmen aber auch Fahrer ohne LKW-Führerschein beschäftigen, dürfen diese nur den 3,5-Tonner fahren. Deshalb geht ein Trend dahin, die Lösungen und Anwendungen, die für den 7,5-Tonner geeignet waren, auf den 12- und den 3,5-Tonner zu übertragen.

Und wie sieht es mit Umweltverträglichkeit und Energiemanagement aus?

Kühlfahrzeuge sind dann optimal, wenn Kälteverlust und Gewicht so minimal und effizient wie möglich sind. Denn weniger Gewicht heißt mehr Nutzlast, das heißt weniger totes, nicht nutzbares Gewicht während eines Transportes. Und wenn darüber hinaus die Kälteverluste so minimal wie möglich sind, wird Energie gespart und ein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet. Die berühmte eierlegende Wollmilchsau mit bestmöglicher Nutzlast und ohne Kälteverlust gibt es auch im Fahrzeugbau nicht. Aber wenn wir 80 Prozent von dem schaffen, was optimal wäre, dann sind wir gut und der Kunde hat ein Fahrzeug, mit dem er erfolgreich wirtschaften kann.

Das Interview führte Elisabeth Henning; EuroShop.de