3 Fragen an … Guido Mamczur, D’art Design Gruppe

03.11.2016

Händler müssen ihre Kunden kennen und zwar am besten jeden Einzelnen. Denn hier liegt der Schlüssel zu einer guten Kundenbeziehung. Wie der Handel auf dieser Grundlage zukünftig gestaltet werden muss, erläutert Guido Mamczur, Geschäftsführer der D’art Design Gruppe im Kurzinterview.

Foto: Guido Mamczur; copyright: D’art Design Gruppe

Guido Mamczur, Markenstratege, Gastprofessor, Buchautor und Geschäftsführer, D’art Design Gruppe; © D’art Design Gruppe

Wie verändert der Kunde 3.0 Ihrer Meinung nach die Handelslandschaft?

Der Handel steht zusammen mit der gesamten Old Economy vor einer gewaltigen Herausforderung: dem Kunden 3.0. Dieser neue Kundentyp kann nicht mehr über Alter, Einkommen oder Bildungsniveau definiert werden. Er ist selbstbewusst, möchte individuell mitgestalten und lässt sich nicht mit durchschnittlichen Lösungen abspeisen. Kein Wunder, dass der Handel stark verunsichert ist. Denn wie kann eine derart sprunghafte und fordernde Zielgruppe bedient werden? Unternehmen müssen neben den technischen Herausforderungen von Multichannel & Co den Blick auf den Menschen richten und nach seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen fragen – danach, welche Barrieren sich ihm und seiner Kaufentscheidung bei seinem alltäglichen Konsum in den Weg stellen. In dieser individuellen Einzelperspektive liegt der Schlüssel zu einer neuen qualitativen Kundenbeziehung.

Was bedeutet das für die Retailgestaltung?

Ob Showroom, Flagship, Standardfiliale, Pop-Up oder Abholstation – der stationäre Handel ist Teil der Customer Journey und längst nicht mehr simpler Point-of-Sale, sondern ein emotionaler Touchpoint. Unsere Herausforderung als Agentur für Kommunikation im Raum ist es, über alle diese Berührungspunkte hinweg Synchronität und Authentizität zu erzeugen. Es gilt eine Multi-Channel-Strategie in ein One-Brand-Erlebnis zu übersetzen. Jeder Kontaktpunkt macht das Markenbild sichtbar und muss innerhalb der Customer Journey zum Leuchtturm werden – und seinen Wert als echten Erlebnisort beweisen. Die zunehmende Virtualisierung unserer Welt lässt den seltener werdenden realen, räumlichen Begegnungen dabei eine stärkere emotionale Bedeutung zukommen.

Die EuroShop ist, wie Sie so schön sagen, auch ein Leuchtturm für den Handel: wie nehmen Sie die Leitmesse als Agentur für Kommunikation im Raum wahr und wie bewerten Sie deren Neupositionierung?

Die Umstrukturierung der EuroShop empfinden wir als sehr positiv und war für uns ein willkommener Anlass, über unsere Positionierung innerhalb der neuen Messekonzeption nachzudenken. Als Kreativagentur sehen wir in einer solchen Veränderung die perfekte Gelegenheit, Bestehendes zu reflektieren und neue spannende Möglichkeiten zu entdecken – im Wandel liegt ja der Kern unserer Arbeit. In der Retailbranche ist diese Aufbruchsstimmung erfreulicherweise ebenfalls deutlich zu spüren. Insofern sind wir froh, dass sich jetzt auch die EuroShop verändert und freuen uns, in neuem Kontext in Halle 12 auftreten zu können. 

Interview: Natascha Mörs; EuroShop.de