Aktion zum umweltfreundlichen Getränkekauf

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14.04.2014

Start der größten Informationskampagne im Getränkehandel mit über 5.000 Betrieben. Klare Kennzeichnungsregelung und Lenkungsabgabe sollen Trend zu Einweg stoppen.

Mehrwegflaschen schonen natürliche Ressourcen, vermeiden Verpackungsmüll und tragen wesentlich zum Klima- und Umweltschutz bei. Das ist die Botschaft der heute von der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) und mehrwegorientierten Verbänden der Getränkewirtschaft vorgestellten Informationskampagne "Mehrweg ist Klimaschutz". Mehr als 5.000 teilnehmende Partner aus dem Getränkehandel unterstützen die Kampagne, die sich 2014 mit einem neuen Motiv präsentiert und Verbraucher über die umwelt- und klimaschonenden Eigenschaften von Mehrwegflaschen informiert.

Um die ökologischen Unterschiede zwischen Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen zu verwischen, versuchen einwegorientierte Abfüller, Händler und Verpackungshersteller Mehrweg durch tendenziöse Studien zu diskreditieren. Damit sollen die immer noch mehrheitlich dem Mehrweg-System positiv gegenüber stehenden Verbraucher getäuscht werden. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch forderte daher von der Politik die Einhaltung ihrer eigenen Gesetze zum Schutz des Mehrwegsystems ein.

"Die Einwegindustrie unternimmt derzeit einen neuen Angriff auf das weltweit größte Mehrweg-Getränkesystem in Deutschland. Mit einem Lobbyverband für Dosenbier und Plastikflaschen und skurrilen Studien über angeblich verschwindende Mehrwegflaschen soll das Mehrwegsystem diskreditiert werden. Ermutigt wurde die Einwegindustrie durch eine jahrelange Untätigkeit der deutschen Politik im Mehrwegschutz", kritisierte Resch. Die Bundesregierung müsse endlich die Verbrauchertäuschung großer Konzerne bei ihren Produkten beenden und eine eindeutige Unterscheidbarkeit zwischen Mehrweg- und Einwegflaschen ermöglichen. Resch forderte deshalb von Umweltministerin Barbara Hendricks die Einführung einer klaren Kennzeichnungsregelung für Mehrweg und Einweg.

"Eindeutig erkennbar zu machen, ob es sich um Einweg oder Mehrweg handelt, ist ein notwendiger, aber nicht ausreichender Schritt zur Stärkung ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen", sagte Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Deutschland e. V. Er fordert deshalb zusätzlich zum Pflichtpfand die Einführung einer Lenkungsabgabe auf Einweggetränkeverpackungen, deren Erlös in klimafreundliche Mehrwegsysteme investiert werden soll. "Die schädlichen Umweltauswirkungen von Einweg-Plastikflaschen und strukturell wenig nachhaltigen Abfüllriesen müssen sich auch im Produktpreis niederschlagen. Deshalb ist die zusätzliche Erhebung von mindestens 20 Cent auf ökologisch nachteilige Einweggetränkeverpackungen ein notwendiger Schritt der Mehrwegförderung."

Mehrwegflaschen lassen sich bis zu 60 Mal wiederbefüllen. Würde man im Getränkebereich ausschließlich auf Mehrweg setzen, ließen sich jährlich 28.000 Tonnen Aluminium und Weißblech für die Dosenproduktion sowie über eine halbe Million Tonnen Kunststoff einsparen. "Jede Wiederbefüllung einer Mehrwegflasche spart die aufwendige Neuherstellung einer Einweggetränkeverpackung.

Sogar die von der Einwegindustrie erstellte und mehrwegbenachteiligende Deloitte-Studie belegt, dass Mehrwegflaschen sehr hohe Umlaufzahlen erreichen und deutliche Umweltvorteile erzielen", stellte der Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg und Staatssekretär a.D. Clemens Stroetmann fest. In der Ökobilanzierung finden die Einsparung von Ressourcen und die Vermeidung von Abfällen bislang zu wenig Berücksichtigung.

Stroetmann forderte deshalb, diesen methodischen Makel unbedingt zu beheben, um zentrale Vorteile von Mehrwegflaschen gegenüber Einweggetränkeverpackungen auch vollumfänglich abbilden zu können.

"Mehrweg in regionalen Wirtschaftskreisläufen verursacht weniger Transporte und damit weniger CO2-Emissionen - der Griff zur Mehrwegflasche macht deswegen Sinn und wir unterstützen den Verbraucher in seiner klimafreundlichen Kaufentscheidung. Diese unterstützt nachhaltige kleine und mittelständische Betriebe", sagte der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V. (GFGH) Günther Guder.

Neben positiven ökologischen Effekten hat der Einsatz von Mehrwegflaschen auch erhebliche soziale und arbeitsmarktrelevante Vorteile. "Regionale Wirtschaftskreisläufe im Mehrwegsystem sichern bundesweit 170.000 Arbeitsplätze, die zudem nicht exportierbar sind.

Der Schutz des Mehrwegsystems bedeutet auch den Schutz des deutschen Mittelstandes." Guder warnte davor, das weltweit einzigartige Mehrwegsystem in Deutschland, die damit einhergehende Getränkevielfalt und eine mittelständisch geprägte Unternehmenskultur, den Geschäftsinteressen weniger Getränkekonzerne und Plastikhersteller zu opfern.

"Discounter wie Aldi und Lidl ködern Verbraucher über Billigpreise und setzen damit das Mehrwegsystem unter Druck. Die politische Unterstützung des Mehrwegsystems ist deshalb unbedingt notwendig und eine handfeste klimapolitische Entscheidung", erklärte der Vorsitzende des Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels Sepp Gail. "Würden allein die jährlich in Deutschland konsumierten alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrwegflaschen abgefüllt, könnte die Atmosphäre im Vergleich zur Abfüllung in Einwegverpackungen um jährlich 1,25 Millionen Tonnen CO2 entlastet werden."

Gail appellierte an die Verbraucher, dass sie beim Einkauf auch eine Verantwortung für das Klima übernehmen können. "Mehrwegflaschen helfen gegen den Klimawandel, Wegwerfflaschen aus Plastik heizen ihn an", sagte er anlässlich des Neustarts der Kampagne "Mehrweg ist Klimaschutz". Das diesjährige Kampagnenmotiv ist der Polarfuchs, der massiv unter den Begleiterscheinungen des Klimawandels leidet.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V.