CSR: Heute mehr ein Muss als ein Kann

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Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit sind für den Handel kein Neuland mehr. War CSR früher noch so etwas wie freiwilliges soziales Engagement, ist es heute vielmehr ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg. Für den Endkunden ist die Nachhaltigkeit von Produkten und Prozessen aber oft immer noch nicht nachvollziehbar. Das kann gerade im Handel dazu führen, das sich sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich Kunden abwenden.

Für den Handel umfasst CSR sowohl nachhaltiges Wirtschaften mit Ressourcen als auch einen umweltverträglichen Herstellungsprozess. Auf der sozialen Ebene ist der faire Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, Lieferanten und Dienstleistern entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein wichtiger Aspekt.

Kunden werden kritischer

Sie sind ein Segen und teilweise auch ein Fluch, die vielen Smartphones und die dauernde Erreichbarkeit. War man früher – salopp gesagt – nur informiert, wenn man die Tagesschau sah und Zeitung las, ist es in Zeiten des Internets, der Smartphones und der sozialen Netzwerke fast unmöglich, unwissend zu bleiben. Und was für den Handel viel entscheidender ist: Was der Kunde nicht vom Hersteller oder durch das Produkt selbst vermittelt bekommt, recherchiert er per Smartphone nach und bezieht externe - mitunter eben auch kritische - Quellen in den Entscheidungsprozess mit ein. Im Laden selbst erfährt der Kunde nichts über verschmutzte Gewässer in China, schlecht bezahlte Baumwollbauern in Afrika oder die heimlich videoüberwachte Mitarbeiter. Nach drei Klicks weiß er es.

Im Online-Handel werden Nachhaltigkeit und CSR noch nicht sonderlich heiß diskutiert, hier ist der Kunde eher auf Schnäppchen aus. Spätestens seit der Diskussion um die Leiharbeiter bei amazon, dürfte jedoch auch hier ein kleiner Stein ins Rollen gebracht worden sein.

Potentielle Geschäftspartner haben neue Ansprüche

Verantwortungsbewusste Unternehmensführung ist jedoch nicht nur ein Thema, das die Endkunden bewegt. Unternehmen aller Branchen müssen dem wachsenden politischen und gesellschaftlichen Druck nachgeben. Auch Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen sind ein Reputationsrisiko für Unternehmen, die es mit der Nachhaltigkeit noch nicht allzu genau nehmen. So ist es im Bereich Architektur und Ladenbau heute schon ein kleines Muss, nachhaltig zu produzieren und das auch entsprechend dokumentieren zu können. Hier sind es besonders die starken Marken, die Druck auf die Architekten und Ladenbauer ausüben. Denn sie wollen ihr Nachhaltigkeitsbewusstsein nicht nur über die Produkte selbst, sondern auch über ihre Ladenbaukonzepte transportieren.

Grüner Ladenbau 2.0

Ein Beispiel für grünen Ladenbau ist Puma. Der Sportartikelhersteller hat in einem Vorort von Bangalore einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Store eröffnet. Das Gebäude wurde von ortsansässigen Firmen mit lokalen Produkten gebaut. Auch Recycling spielt in dem Shop eine wichtige Rolle. Es wurden sowohl recycelter Stahl als auch wiederverwertbare Materialien aus ausgemusterter Technik, Dosen oder Fahrrädern verwendet.

Darüber hinaus wird in vielen Puma-Stores bereits die Bring-Me-Back-Philosophie gelebt: Kunden können hier abgetragene Textilien in die dafür vorgesehenen Sammelbehälter werfen. Diese werden anschließend, je nach Zustand, in Einzelteile zerlegt oder komplett zerschreddert und zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet. Auch andere Textilhersteller wie Jack & Jones arbeiten inzwischen mit diesem Recyclingverfahren.

An einem weiteren jungen und nachhaltigen Projekt im Bereich Architektur ist Zumtobel beteiligt. Der LifeCycle Tower One in Dornbirn in Österreich ist das erste ungekapselte Holzhybridhochhaus der Welt. Hierfür setzt das österreichische Unternehmen auf einen energieeffizienten Mix aus natürlicher und LED-Beleuchtung.

Grünes Sortiment

Eine andere Strategie, Kunden durch gezielte Nachhaltigkeitskommunikation für die eigenen Produkte zu sensibilisieren, verfolgt das Unternehmen memo, das nachhaltigen Bürobedarf vertreibt. „Jedes Produkt wird hier sorgfältig nach ökologischen und sozialen Kriterien untersucht, bevor es ins Sortiment aufgenommen wird. Das hat aus Konsumentensicht den Vorteil, dass sie dort alles mit gutem Gewissen kaufen können und sich nur auf ihren Produktbedarf konzentrieren müssen.“, kommentiert Nachhaltigkeitsexperte Stephan Schaller von GS1 Germany den Erfolgsfaktor dieses Sortimentskonzepts im EuroShop.de-Interview.

Obwohl CSR und Nachhaltigkeit im Online-Handel noch nicht richtig angekommen sind, gibt es dennoch bereits jetzt Konzepte wie das der Otto Group, die den Nachhaltigkeitsforderungen aufgeklärter Verbraucher entsprechen. Schaller erläutert: „Otto hat hier fünf Meta-Labels gebildet, die Auskunft über verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte der Produkte, zum Beispiel über den Energieverbrauch oder den Einsatz von Recyclingverfahren bei der Herstellung geben. Der Kunde kann anhand der für ihn wichtigen Kriterien Produkte auswählen.“

Gut gelebte CSR für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg

Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit sind Themen, die den Handel und die Verbraucher gleichermaßen bewegen und in Zukunft kaum mehr wegzudenken sind. Denn auch wenn das Thema schon seit langem durch die Medien geistert, ist es keine reine Trenderscheinung. Für Unternehmen kann es enorm imageschädigend sein, nicht nachhaltig zu arbeiten. Im Interview bestätigt Nachhaltigkeitsberater Martin Blumberg von brands & values: „Daraus können für Unternehmen Geschäftsrisiken entstehen, wenn öffentlich bekannt wird, dass sie keine verantwortungsvollen Sourcing-Praktiken haben und mangelnde Verantwortung den Herstellungspraktiken ihrer Vorprodukte gegenüber aufweisen.“

Ob es für Unternehmen profitabel ist, nachhaltig zu sein, stellt der Experte in Frage: „Ich persönlich bin eher skeptisch, ob eine nachhaltige Unternehmensführung ein Umsatztreiber im herkömmlichen Sinne ist. Sie ist vielmehr ein Instrument für Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und auf Produktebene den Nachhaltigkeitsansprüchen einer zunehmenden Anzahl von Kunden zu genügen.“
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Was die EuroShop 2014 zum Thema „Grüner Handel“ bereit hält, können Sie jetzt schon in der Broschüre nachlesen.





Weitere Informationen und Praxisbeispiele finden Sie unter
Elisabeth Henning; EuroShop.de