Category Management: Gut geplant ist halb verkauft

Die Warenplanung in Handel und Industrie gewinnt an Bedeutung

01.06.2016

Das Berufsbild eines Category Managers ist so vielfältig wie die Waren selbst, um die sich in diesem Bereich alles dreht. Von der Beschaffung über die Platzierung, Vermarktung und Präsentation bis hin zur Marktanalyse ist hier jedes Detail zu beachten, um Produkte möglichst gekonnt an den Kunden zu bringen.
Foto: Warenregal im Supermarkt; © Rosel Eckstein/pixelio.de

Flexibel sein, immer auf Zack und die Konkurrenz im Auge zu behalten, ist ein maßgeblicher Bestandteil der Arbeit eines Category Managers. Er kennt die Waren genau und weiß, wer sie wo zu welchem Preis anbietet. Er reagiert dann umgehend mit einer Preis- oder Sortimentsanpassung auf diese Entwicklungen.

Im Bereich Lebensmittel wird das Category Management immer wichtiger, denn mehr und mehr Produkte werden auf den Markt gebracht – als Reaktion auf die wachsenden Wünsche der Kunden ist es zugleich auch die größte Herausforderung an den Einzelhändler, den Kunden nicht mit der Vielfalt zu überfordern, sondern ausgewählte Produkte zu unterstützen.

Aufgrund dieser Entwicklung ist die Nachfrage nach Nachwuchs in diesem Berufsfeld in den letzten Jahren in Handelsunternehmen gewachsen. Ein Grund für die Unternehmen, direkt dort nach potenziellem Nachwuchs zu suchen, wo er ausgebildet wird. Wie beispielsweise an der Uni Duisburg-Essen. Bei der eintägigen Veranstaltung „Handel trifft Hochschule“ trafen hier Ende April Handelsunternehmen auf Studierende der Wirtschaftswissenschaften und -informatik am Lehrstuhl von Professor Dr. Hendrik Schröder.

Ein breites Arbeitsfeld: Warenkalkulation, Standortanalyse und Serviceangebote

In diesem Jahr präsentierten dort die Firmen Obi, IRi, Rewe, Christ und Lekkerland die sehr unterschiedlichen Arten, wie Category Management in ihren Unternehmen zur Anwendung kommt.

Im Beitrag von Großhändler Lekkerland ging es beispielsweise darum, wie übergreifende Kenntnisse über den Markt und seine regionalen und sogar lokalen Gegebenheiten eines Standortes die Warenpositionierung in bestimmten Shops beeinflussen sollten, um die Kundenwünsche optimal zu bedienen. Für Einzelhändler eines der wichtigsten Ziele überhaupt.

Sehr detailliert schilderte die REWE/Penny die wöchentlichen Abläufe der Planung von Obst- und Gemüseabteilung beispielsweise aus der Perspektive einer Category Managerin. Jede Warengruppe muss penibel geplant und platziert werden. Aktionen werden gemeinschaftlich mit dem Marketing geplant und im Team umgesetzt. Flexibel muss er sein, der Category Manager.

Das Marktforschungsunternehmen IRi erklärte, wie Lösungen zur Warenkorbanalyse Rückschlüsse auf das Kaufverhalten der Kunden schließen lassen, um dann wiederum die Warenplanung zu verbessern. Ein Tool, das Einzelhändlern zwar wage bewusst ist – aber selten im gesamten Ausmaß der Möglichkeiten genutzt wird.

Im Vortrag des Schmuckhändlers Christ ging es darüber hinaus um die Verknüpfung der Verkaufskanäle, Filialabholung und kanalübergreifende Kampagnen, um den Abverkauf zu steigern und Kunden in der wachsenden Affinität zu mobilen Endgeräten überall mit dem passenden Service zu unterstützen.

Um Zukunftsprojekte im Category Management handelte es sich bei Obi. Mit einer „Sondereinheit“ mit Start-up-Mentalität möchte der Baumarkt neue Kundengruppen für die DIY-Branche erschließen und sich von der Konkurrenz durch Supermarktriesen wie Lidl und Aldi, die sich in Sachen Heimwerkerbedarf immer Platz verschaffen, behaupten: Vor allem, indem Serviceangebote und Waren gebündelt als Komplettpakete angeboten werden sollen. Pilotprojekte dazu laufen bereits.

Foto: Studenten bei einem Vortrag; © beta-web/Mörs

Die Studenten der Uni-Duisburg erfuhren bei der Veranstaltung "Hochschule trifft Handel", wie Category Management in großen Unternehmen eingesetzt wird © beta-web/Mörs

Mit Aussicht auf mehr: berufliche Perspektiven

Zwischen den sehr praktisch ausgerichteten Vorträgen der Unternehmen nutzten die Studenten die Möglichkeit, ihre Fragen bezüglich möglicher Praktika oder den Voraussetzungen dafür direkt an die verantwortlichen Vertreter der Unternehmen zu stellen.

Letztere freuten sich über die zahlreichen Anfragen und die im höchsten Maße passende Zielgruppe für ihre Nachwuchssuche im Bereich Category Management. Da wurden stapelweise Bewerbungsmappen mit Anmerkungen versehen und vorsorglich verstaut - einige davon schon mit sicherer Aussicht auf eine Einstellung für ein Praktikum.

Nicht nur aus Händlersicht, sondern besonders aus Perspektive der Studenten war die Veranstaltung erfolgsversprechend. „Es ist gut zu wissen, dass die Unternehmen so viel Wert darauf legen, dass jemand schon praktische Erfahrungen in Unternehmen gesammelt hat. Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, ob es gut ist, mein Studium möglicherweise zu verlängern, um ein halbjähriges Praktikum zu machen. Bisher hatte ich eher Angst, dass eine längere Studienzeit bei Bewerbungen später negative Auswirkungen haben würden. Jetzt denke ich anders darüber“, erklärt Studentin Rieke Zimmermann, nachdem sie schon ihre ersten Gespräche mit den anwesenden Händlern gemacht hat.

Zu dieser Einsicht trug außerdem die einleitende Ansprache von Prof. Schröder bei, der den Wert von Persönlichkeit und Praxiserfahrung noch vor einer guten Abschlussnote für die Handelsunternehmen betonte.

Die Praxisbeispiele zeigten den Studierenden die vielfältigen Facetten des Berufsbildes Category Management. Teamarbeit mit anderen Abteilungen gehört genauso dazu, wie die richtige Preisauszeichnung vor Ort. Sich mit aktuellen Methoden und technischen Lösungen, die der Markt ihm hierzu zur Verfügung stellt, auseinanderzusetzen, bedeutet in diesem Fall, Marktmitbewerbern einen Schritt voraus sein zu können.


Autor: Natascha Mörs; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com