Design für junge Menschen, die Reisen im Internet buchen

Birgit Aust  © TVG
Interview mit Birgit Aust, Geschäftsführerin TVG Touristik Vertriebsgesellschaft, München

„Best Digital Media Concept“ – In dieser Kategorie hat der Branchenverband POPAI den Flagshipstore der Touristik Vertriebsgesellschaft (TVG) mit dem „POPAI Digital Signage Award“ in Gold ausgezeichnet. Am Firmensitz in München eröffneten die Touristiker im September das prämierte „Reisebüro der Zukunft“. Digital Signage gehört hier zur Ausstattung. Aber es zählt nicht nur die Technik, sondern auch das Design. Das Konzept soll jetzt auf 250 Filialen übertragen werden.


Herzlichen Glückwunsch zum POPAI-Award. Was macht die TVG?

Die Touristik Vertriebsgesellschaft wurde 1996 gegründet. Die TVG ist eine 100-prozentige Tochter von FTI Frosch Touristik mit Sitz in München. Die TVG vereint unter ihrem Dach verschiedene Reisebüro-Franchisemodelle mit den Marken sonnenklar.TV-Reisebüro, Flugbörse und 5vorFlug. Deutschlandweit sind wir auf diese Weise mit 190 Reisebüros vertreten.


Was muss sich ändern in deutschen Reisebüros, um gegen das Internet zu bestehen?

Ich sehe die Zukunft der Reisebüros im Service 2.0: Dabei kooperieren der stationäre Vertrieb und das Internet. Das heißt, dass im „Reisebüro der Zukunft“ der persönliche, individuelle Service mit den modernsten technischen Möglichkeiten der Kundenansprache kombiniert wird. Wer langfristig am Markt bestehen möchte, bezieht die Vorteile des Webs aktiv in das Beratungsgespräch ein, beispielsweise Informationen von Anbietern wie www.holidaycheck.de oder Google Earth. Mit Hilfe von multimedialen Möglichkeiten – wie beispielsweise Urlaubsfilmen auf großen Monitoren – lassen sich Kunden auf der Suche nach der passenden Reise inspirieren. Außerdem sollten die Kunden ihren Reiseprofi per Facebook oder Skype jederzeit erreichen – unabhängig von Ort und Zeit, beispielsweise auch aus dem Urlaub.


Wie ist das Ausstattungskonzept beim „Reisebüro der Zukunft“?

Unser Ladenkonzept geht über ein modernes „Möbelkonzept“ hinaus und verbindet alle Vorteile des stationären Vertriebs mit der Online-Welt. Ziel ist es, für die Kunden eine Erlebniswelt zu schaffen und emotionale Produkte in einem funktionalen und gleichzeitig hoch emotionalen Umfeld zu präsentieren. Die Innenarchitektur der Büros ist daher so konzipiert, dass es auch junge Menschen anspricht, die bevorzugt im Internet buchen: Mit Mobiliar im Retro-Chic, großen Bildschirmen, klaren Linien und iPads für die Urlaubsrecherche verleihen wir den Reisebüros ein junges Image. Die kleinen Besucher können sich auf der „Kinderinsel“ die Zeit vertreiben, bis die Eltern ihre Wunschreise gefunden haben. Das „Reisebüro der Zukunft“ ist auch Begegnungsstätte für die Online-Community und bietet eine stylische Sitzecke als Offline-Plattform für den persönlichen Austausch von Tipps und Erfahrungen.

 
 

© TVG
Nach dem Münchner Vorbild sollen 250 Filialen von Franchisenehmern eröffnet werden. Das Bild zeigt die Filiale in Trostberg. © TVG

Welche Rolle spielt Digital Signage?

Die „digitale Beschilderung“ und Multimedia sind zentrales Thema in unserem „Reisebüro der Zukunft“. Wir nutzen große Screens sowohl in den Schaufenstern als auch im Reisebüro selbst. Dafür setzen wir 46 Zoll große Monitore in den Fenstern ein, die wir von unserer Zentrale aus mit regional unterschiedlichen Angeboten, Bildern und Filmen bestücken. Sie lösen die traditionellen Angebotszettel ab. Auch die Screens im Verkaufsraum wecken mit Fotos und Videos die Lust auf Urlaub.


Seit wann ist das Reisebüro geöffnet? Und wie geht es weiter?

Im September 2010 hat das erste „Reisebüro der Zukunft“ in München eröffnet. Neben dem Münchner Flaggschiff sind bereits Büros in Stuttgart, Osnabrück, Gotha und Trostberg Realität geworden. In Kürze folgen Agenturen in Chemnitz, Gera und Rheinberg. Die Reisebüros der Franchise-Marken sonnenklar.TV und Flugbörse sollen auf dieser Basis auch weiter wachsen. Bis 2013 wollen wir in jeder deutschen Stadt mit über 30.000 Einwohnern mit einem „Reisebüro der Zukunft“ präsent sein. Mittelfristig sind daher 250 Agenturen geplant.

Das Outfit für das „Reisebüro der Zukunft“ haben wir für drei Ladengrößen konzipieren lassen: 25 Quadratmeter ist die kleinste Einheit, gefolgt von 46 oder 70 Quadratmetern. Dabei soll sich jeder ein „Reisebüro der Zukunft“ leisten können. 25 Quadratmeter lassen sich ab 10.000 Euro einrichten. Es gibt zusätzliche Möglichkeiten, ein Darlehen zu bekommen. Als nächstes werden wir unser „Zukunftskonzept“ auch für die Flughäfen präsentieren.


Wie werden die Screens eingesetzt?

Kunden sehen auf den Screens Urlaubsbilder, Filme und Angebote. Die Angebote sind auf die Region abgestimmt, auch Specials können eingespielt werden. Da der Kunde während der Beratung von zahlreichen Screens im Reisebüro umgeben ist, fließen auch diese Angebote in die Beratung ein. In Planung bis zum Ende des Jahres ist, dass die Büros im Beratungsgespräch auf die jeweiligen Filme zugreifen können. Damit können sie das Urlaubsziel für die Kunden noch erlebbarer machen.


Wie wichtig war das Design?

Das Design ist sehr wichtig, da es eine aufmerksamkeitsstarke Verpackung bildet, denn die Gestaltung unseres „Reisebüros der Zukunft“ entspricht nicht dem Bild eines klassischen Reisebüros. Durch das Design rücken wir die Dienstleistung „Reisebüro“ wieder in den Fokus des Kunden.


Wie gelingt die Einpassung der technischen Screens in ein Ladenbaukonzept zum Wohlfühlen?

Indem man mit anderen Elementen – wie einem Teppich, der Lounge oder der Beratungssituation an einem runden Tisch – eine Wohlfühl-Atmosphäre schafft. Der Kunde und sein Reiseexperte sitzen nebeneinander wie an einem Küchentisch und nicht gegenüber wie in der typischen „Arzt-Patienten-Situation“.

 
 


Digital Signage mit Außenwirkung: Die großen Screens im Inneren sehen auch die Passanten auf der Straße. Im Schaufenster ersetzen Infostelen die Angebotszettel. © TVG


Welche Rolle spielt das Schaufenster für den Einsatz von Digital Signage?

Zunächst haben wir auf den Einsatz weiterer Möglichkeiten wie Touch-Steuerung über die Fensterscheibe verzichtet, da wir bei technischen Neuheiten auch immer den finanziellen Rahmen unserer Franchise-Partner im Auge behalten. Allerdings prüfen wir ständig Innovationen, die wir in unserem Flagshipstore in München ausprobieren.


Setzen Sie im „Reisebüro der Zukunft“ auch Kioskterminals ein für die SB-Information der Kunden während Wartezeiten?

Neben den großen Screens, können Kunden der Franchise-Ketten sonnenklar.TV-Reisebüro und Flugbörse die Wartezeit mit iPads überbrücken. Kioskterminals setzen wir derzeit nur in unserem Flagship ein, diese werden allerdings eher selten von den Kunden genutzt.


Wer sorgt für die Inhalte auf den Screens?

Die Screens werden von der TVG-Zentrale heraus mit regional unterschiedlichen Bildern und Filmen bestückt. Wir profitieren dabei von dem großen Filmarchiv des Reiseshopping-Senders sonnnenklar.TV. Auch die tagesaktuellen Angebote können in kürzester Zeit ausgetauscht werden. Ein weiterer Vorzug: Die Reisebüros haben im TVG-Intranet jederzeit Zugriff auf die aktuelle Playlist.


Rechnen Sie mit Werbeeinnahmen?

Wir setzen das Thema „Digital Signage“ gezielt als Werbeplattform ein: Veranstalter können einen Sendeplatz auf den Screens buchen, um Kunden auf ihre Top-Angebote aufmerksam zu machen. Der Vorteil ist, dass die Partner zu 100 Prozent am POS vertreten sind und dies gut anhand der Playlisten nachvollziehen können. Dies ist ein absolut effektives Marketing.

Interview: René Schellbach, EuroCIS

 
 

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