Digital Merchandising: Statisch war gestern

Grafik: Einkäufer berühren Bildschirme beim Einkauf; © panthermedia.net/ndul

05.01.2015

Das Auge giert nach mehr, die Technik gibt es her: Digital Signage eröffnet Werbeverantwortlichen einen schier unbegrenzten Pool an Präsentationsformen. In einer Zeit, in der Multi-Channel-Retailing zum Zugpferd geworden ist, können diese Werbeformen zudem miteinander verknüpft und Inhalte per Knopfdruck aktualisiert werden.
Ob LCD-Bildschirme im Fahrstuhl, digitale Etiketten am Regal oder interaktive Info-Terminals - die Bandbreite digitaler Präsentation wächst stetig. So gibt es mittlerweile immer mehr Händler, die ein durchgeplantes System an Technologien einsetzen, um den Kunden mit aktuellen, punktgenauen und ansprechenden Informationen zu versorgen.

Der klare Vorteil: Digital Signage zum Beispiel wirkt nachweislich intensiver auf den Kunden als Poster und Plakate, denn Bewegtbilder schaffen Emotionen, wecken Neugier. Statische Inhalte dagegen dringen kaum noch zum Kunden durch. Nicht nur die Möglichkeit, Inhalte bewegt darzustellen, sondern auch die Interaktivität sind Vorzüge.

Und der Einsatz muss nicht kompliziert sein: So kann ein einfaches Tablet, dass im Verkaufsraum direkt neben einem Produkt angebracht ist, per Fingerdruck alle positiven Eigenschaften des eCommerce mit an den POS holen, indem der Kunde sämtliche Produktinformationen und die Verfügbarkeit abrufen und sich zugleich ähnliche Waren ansehen kann.

Visual Merchandiser müssen sich rüsten

Visual Merchandiser gewinnen komplett neue Gestaltungsmöglichkeiten hinzu. So ist es doch eine Herausforderung, beispielsweise vier Meter hohe Videoleinwände mit Inhalten zu bestücken, die gleichzeitig mehrere Sinne ansprechen oder Inhalte in alle Verkaufskanäle zu bringen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Merchandiser allerdings ihre Kompetenz auf den IT-Bereich ausweiten. Aus diesem Grund wurde der neue Bachelor-Studiengang "Retail Design" ins Leben gerufen, ein gemeinschaftliches Projekt des Europäischen Zentralverbandes Visuelles Marketing Merchandising (VMM) und der Fachhochschule Düsseldorf.

"An der Schnittstelle zwischen Ladendesign, Visuellem Marketing und Kommunikationsstrategie können Absolventen künftig eine Schlüsselposition im Handel innehaben", erklärt Klaus Lach, Vizepräsident des VMM. Er glaubt an das Potential der neuen digitalen Darstellungsarten: "Digitales Marketing ermöglicht ihnen ungewöhnliche Vermarktungsstrategien in außergewöhnlichen Räumen. Dadurch werden ganze Einkaufsstraßen belebt und zu Attraktionspunkten der Unterhaltung gemacht. Spontankäufe werden durch diesen hohen Info- und Entertainmentfaktor stark begünstigt."

Vorhandene Flächen nutzen und neue gewinnen

Nach Ladenschluss waren Schaufenster bis vor kurzem noch regelrechte "Zankstiefel". Die Waren dahinter anzusehen, war natürlich möglich, weitere Infos gab es allerdings nicht, geschweige denn die Möglichkeit, das Begehrte zu kaufen. Die Lösung: ein Terminal hinter dem Fenster, das Videos, Bilder oder Prospekte darstellen kann. Wenn dann auch noch der hinzugefügte QR-Code über Tablet oder Smartphone direkt auf den Web-Shop des Anbieters verlinkt, steht dem Einkauf auch ohne geöffneten Laden nichts mehr im Weg. Mit der QR-Technik entsteht so eine weitere Werbefläche, die zudem nicht viel kostet.

Hinterm Schaufenster verbirgt sich noch mehr Aktionsfläche: So kann eine Jalousie beispielsweise mit bewegten LED-Add-Ons bestückt werden, die fließende Texte über aktuelle Angebote und Kundenansprachen anzeigen. Über eine einfache Software können die Inhalte eingepflegt werden.

Flexible Inhalte sind extrem wichtig

Den Content jederzeit flexibel steuern zu können, ist eine der Hauptanforderungen, die Händler an die digitalen Technologien stellen. Wie beispielsweise bei elektronischen Regaletiketten (ESL). Über nur einen Computer lassen sich die Auszeichnungen eines Produktes gleichzeitig in allen Filialen anpassen. Um das nutzerfreundlich zu gestalten, ist die richtige Software ein wichtiger Punkt, der nicht unterschätzt werden sollte.

Wird Werbung über digitale Flächen generiert, entstehen zunächst einmal Anschaffungskosten, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Darstellungsmedien wie LCD- und Plasmabildschirme sind allerdings viel günstiger geworden und machen sich daher schneller bezahlt - erst recht, da die Kosten für Print und Logistik anderer Werbeformen sinken oder ganz entfallen.

Zudem bemerken Experten, dass sich gerade in technischer Hinsicht die Geräte so stark verbessert haben, dass Systeme viel einfacher und sicherer eingesetzt werden können. Die verwendeten Geräte sind langlebiger als noch vor wenigen Jahren - auch wenn sie rund um die Uhr im Einsatz sind - und fallen seltener aus.

Der Kunde nimmt die neuen Darstellungsformen ohne Weiteres an: Er ist bereits an schnelle Informationsquellen gewöhnt, vor allem durch den wachsenden Markt für Tablets und Smartphones. Ein guter Zeitpunkt also, um auf den Digital Signage-Zug aufzuspringen und ihn positiv zu nutzen.

Autor: Natascha Mörs; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com