Einkaufserlebnis mit kulinarischen Angeboten

Gastronomie-Konzepte für den Handel werden immer beliebter

01.07.2015

Essen außer Haus, insbesondere während des Einkaufens, gehört für immer mehr Kunden zum Alltag. Egal ob es nur um Snacks für zwischendurch geht oder um den Ersatz für eine Hauptmahlzeit – für Händler, die auch auf Gastronomie-Konzepte setzen, bieten sich hier große Chancen zur Umsatzsteigerung.
Aber nicht nur für den Lebensmitteleinzelhandel bietet sich eine Integration von Gastronomie-Konzepten an, auch im Bereich der Shopping-Center gibt es nicht nur für Bäckereien, Metzgereien und Snack-Anbieter ein großes Potenzial. Ganz allgemein gilt heute: Ein ansprechendes gastronomisches Angebot sorgt für eine höhere Verweildauer und eine Emotionalisierung des Einkaufserlebnisses.
Bild: Kunden stehen an einer Theke; Copyright: beta-web/Schmitz

Gastronomiebereiche gehören bei immer mehr Händlern selbstverständlich dazu; © beta-web/Schmitz

Kunden zu Gästen machen

Dass der stationäre Handel dem Kunden heute ein besonderes Einkaufserlebnis bieten muss, wenn er sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet durchsetzen will, ist ein offenes Geheimnis. Dabei geht es jedoch nicht nur um eine ansprechende Gestaltung der Verkaufsfläche und die Einbindung moderner digitaler Technologie am POS. Der stationäre Handel muss alle Möglichkeiten nutzen, um den Wohlfühlfaktor und damit auch die Verweildauer zu erhöhen. Auch gastronomische Flächen können dazu beitragen.

Viele Händler verfolgen bereits heute bei der Integration von Gastro-Bereichen ein umfangreiches Gesamtkonzept. So hat zum Beispiel auch die REWE Group bei der Einrichtung des umgestalteten Toom-Marktes im hessischen Egelsbach auf die harmonische Einbindung des gastronomischen Angebots geachtet. Besonderes Aushängeschild des Marktes ist der sogenannte "Marktplatz der Frische", der ein integriertes Restaurant, die hauseigene Bäckerei sowie eine Salatbar und Servicetheken mit internationalen und regionalen Spezialitäten umfasst. „Wir haben den Eindruck, dass wir mit diesem Konzept dem Internethandel Paroli bieten können“, meint auch Jürgen Scheider, Regionsleiter Mitte der Rewe Group.

Der Knauber Freizeitmarkt in Bonn zählt hingegen zu den Vorreitern der Gastroangebote im Handel. Er bietet bereits seit 14 Jahren seinen Kunden an einer kleinen Bar im Herzen des Ladens Erfrischungen an. „Hierbei ist für uns nicht der reine Umsatz entscheidend, sondern der Wohlfühlcharakter, der Unterhaltungswert und die längere Verweildauer der Kunden im Hobbymarkt. Das sind die wirklich relevanten Funktionen der Gastroinsel“ sagt Kurt Schlesiger, der seit dreißig Jahren für die Ladengestaltung in der Filiale zuständig ist.
Bild: Vier Köche hinter einem Tresen; Copyright: Pretty Good Systems GmbH

Ein Angebot, das nicht jeder hat: Die Dependance von Sushi Factory im EDEKA Zurheide in Düsseldorf; © Pretty Good Systems GmbH

Gastro-Angebot sollte zum Sortiment passen

Wie wahrscheinlich auch jeder Ladenbauer bestätigen kann, werden Läden heute nicht mehr einfach nur eingerichtet. Stattdessen werden komplette Marktplätze geschaffen, die sich nicht nur durch ein homogenes Design auszeichnen, sondern auch durch gastronomische Angebote zum Verweilen einladen. Storedesign und Sortiment sollten einer klar erkennbaren Linie folgen, die sich auch in der Gestaltung der gastronomischen Fläche wiederfindet.

Auch das Angebot der Gastronomie muss dabei zum Umfeld passen – ein Fashion-Händler kann zum Beispiel natürlich kein vollwertiges Restaurant in seinen Filialen integrieren, allein schon aufgrund der Geruchsbelästigung. Für solche Händler bietet sich jedoch zum Beispiel das Angebot einer Kaffeebar an, wie es heute bereits in einigen Filialen großer Buchhändler besteht. Lounge-artige Flächen laden auch hier den Kunden zum Verweilen ein. In einem besonders exklusiven Fashion-Store wäre zum Beispiel eine Sektbar eine Idee, die dem gehobenen Ambiente Rechnung trägt. Betreiber von Shoppingcentern haben es hier natürlich etwas einfacher, denn sie verfügen über ausreichende Flächen, um sowohl ein breites gastronomisches Angebot, als auch die verschiedensten Stores zu realisieren – allerdings natürlich räumlich getrennt.

Vorteile gegenüber der Konkurrenz sichern

Besondere Gastronomie-Konzepte eröffnen dem Händler nicht nur die Chance, die Verweildauer der Kunden zu erhöhen, sondern bieten auch eine Möglichkeit, sich über den Preis hinaus vom Wettbewerb abzuheben. Ausgefallene Ideen, die das direkte Umfeld nicht bieten kann, locken die Kunden auch dann in die Filiale, wenn sie für den reinen Einkauf eigentlich einen Laden der Konkurrenz bevorzugen.
Bild: Kunden im Lebensmittelladen; Copyright: Sylvia Wendland / Ruhr Medien

"Gourmet-Festival" im EDEKA Zurheide; © Sylvia Wendland / Ruhr Medien

Ein Beispiel dafür ist EDEKA Zurheide in Düsseldorf, der mir seinem Gourmet Bistro Kunden aus dem ganzen Stadtgebiet und dem Umland anlockt. Das gehobene Restaurant wurde vom lokalen Gastronomie-Magazin "Düsseldorf geht aus!" zu einem der besten Restaurants im Düsseldorfer Süden gekürt. Außerdem legen die Marktbetreiber Wert darauf, dass die Speisen nur mit Produkten zubereitet werden, die es auch im Markt zu kaufen gibt. So wird auch durch die Gastronomie wieder Umsatz auf die Fläche geholt.

Auch ein weiterer wichtiger Faktor wird hier nicht vergessen: Der Erlebnischarakter. Sowohl im Gourmet Bistro als auch am ebenfalls integrierten Grill-Point und der Theke von Sushi Factory wird in offenen Eventküchen gearbeitet. Außerdem veranstaltet der Supermarktbetreiber regelmäßig besondere Kundenevents, wie zum Beispiel das Zurheide Gourmet-Festival, bei dem jedes Jahr unter einem bestimmten Motto besondere kulinarische Kreationen angeboten werden.

Richtig umgesetzt bieten sich dem Handel also vielfältige Möglichkeiten, um mit neuen gastronomischen Ideen die Kunden in den Laden zu locken und sich dabei mit ihrem größten Alleinstellungsmerkmal nicht nur vom eCommerce, sondern auch von der lokalen Konkurrenz anzuheben: Dem Einkaufserlebnis.

Autor: Natascha Mörs; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com