Entsorgung: Gepresste Ballen statt gewaltige Berge

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Interview mit Andreas Jeschke, Leitung Vertrieb und Kundendienst Zentraleuropa, HSM, Head of Sales and Service Central Europe

Abfall kann viel Geld kosten oder sogar etwas einbringen. Mit gepressten Wertstoffen kann der Handel mehr von Entsorgern bekommen als mit losem Material im Container. Und meistens ist der Platz hinter dem Laden begrenzt. Moderne Pressen reduzieren das Volumen erheblich. Andreas Jeschke von HSM beschreibt, worauf der Handel achten sollte. HSM mit Sitz am Bodensee produziert seit 1971 „Made in Germany“.


Ein Jahr nach der letzten EuroShop – wie ist Ihre Messebilanz? Welche Kunden konnten Sie mit der Messe konkret gewinnen?


Auf Grund unserer langjährigen Teilnahme an der Messe Euroshop und unsere gute Präsenz im Markt konzentrieren wir uns auf der Messe auf die Kontaktpflege zu bestehenden Kunden und Interessenten, sowohl national, als auch international.

Was schlagen Sie dem Handel zur Kartonagen-Entsorgung vor?

Im Wesentlichen bieten sich dem Handel zwei Entsorgungskonzepte an. Zum einen die dezentrale Entsorgung von Kartonagen und Folien in den Filialen – zum Beispiel mit Hilfe von Vertikalballenpressen – oder die Rückführung des Materials an die Zentralläger und anschließender Verpressung auf größeren Pressen im Lager. Aus unserer Sicht liegt der Fokus im Handel im Augenblick eindeutig auf der dezentralen Entsorgung auf Grund der Vorteile durch die Volumenreduzierung vor Ort.

Bekommt der Handel mehr für gut gepresste Rohstoffe oder sinken wenigstens die Entsorgungskosten?

Beides, durch eine Ballenpresse sind Wertstoffe in der Regel vermarktungsfähig und bringen mehr ein als loses oder nur leicht komprimiertes Material. Außerdem ergeben sich immer Kostenvorteile durch die Transport- und Logistik-Optimierung bei der Nutzung einer Ballenpresse vor Ort.

 
 

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Welche Volumenreduzierung ist bei Kunststoffen möglich?

Im Bereich der Vertikalen Ballenpressen können Kunststoffe in einem Verhältnis von 1:5 bis hin zu einem Verhältnis von 1:30 verpresst werden.

Welche Kunststoffe kann der Handel ohne großen Aufwand sortenrein pressen?

Eine sortenreine Verpressung aller im Handel anfallenden Kunststoffe ist möglich, aber nicht immer lohnenswert. Ob sich der Einsatz einer Ballenpresse für Folie, PET oder andere Kunststoffe lohnt, muss man natürlich im Einzelfall entscheiden. Gut zu wissen ist, dass bei vielen Ballenpressen die Verpressung von Folie und Kartonagen möglich ist. Außerdem gibt es Mehrkammerballenpressen, die sich bestens zur parallelen, sortenreinen Verpressung verschiedener Materialien eignen.

Der Handel hat viel investiert in Rücknahme-Automaten für Pfandflaschen. Manche Geräte zerkleinern, andere haben ein Förderband. Wann lohnt sich eine Presse?

Die meisten Rücknahmeautomaten für PET-Flaschen in Deutschland arbeiten bereits mit einem HSM Crusher. Durch das Crushen der Flaschen findet eine Volumen-Reduzierung auf bis zu 25 Prozent des ursprünglichen Volumens statt. Ein Verpressen vor Ort ist deshalb meist nicht praktikabel. Oft wird in den Zentrallägern das Material zusammengeführt und verpresst.

 
 

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Ab welchen Mengen lohnt es sich, Styropor zu pressen?

Im Handel fallen selten entsprechende Mengen Styropor an, die eine Verpressung sinnvoll machen. Ein Ballen aus unserer Vertikalballenpresse V-Press 860 kann ein Ballengewicht von rund 135 kg erreichen. Natürlich ist auch immer wichtig, wofür das Styropor weiterverwendet werden soll. Ein Einsatz in der Wärmedämmung erlaubt zum Beispiel keine vorherige Verpressung.

Für Aluminium und Weißblech zahlen Entsorger einiges. Wann ist eine Presse sinnvoll?

Ein Einsatz einer Ballenpresse im Handel nur für Dosen rentiert sich auf Grund der geringen Mengen oft nicht. Allerdings gibt es die Möglichkeit einen Dosenpresseinsatz zur Volumen-Reduzierung einzelner Dosen für Maschinen zu nutzen, die eigentlich zur Verpressung anderer Fraktionen genutzt wird.

Ihr Geschäft hängt stark davon ab, was die Politik vorgibt. Welche Weichenstellungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Aus unserer Sicht ist Deutschland im Bereich Recycling und Wiederverwertung von Wertstoffen weltweit führend. Wir erwarten dafür keine gravierenden Veränderungen durch eventuelle Regierungswechsel.

Interview: René Schellbach, EuroShop.de

01/03/2012

 
 

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