Green IT: Tue Gutes und rede darüber

„Grüne Computer“ sind seit einigen Jahren voll im Trend. 2008 erlebten sie hierzulande den Durchbruch bei den Computermessen Cebit und Systems. Computer produzieren viel Abwärme und brauchen viel Strom für Kühlung und Betrieb von Prozessoren, Festplatten, Bildschirmen und Druckern. Doch es dauert einige Jahre, bis aus einem Messethema ein Massenthema wird. Das ist bei den privaten Verbrauchern nicht anders als beim Handel selbst.

In jüngster Zeit entdecken Handelskonzerne wie auch mittelständische Fachhändler, welches Sparpotenzial in „Green IT“ steckt. Die Rechenzentren der Konzerne gelten nach wie vor als Stromfresser, aber auch die Ersparnis, welche moderne Kassensysteme erreichen, summieren sich bei Ketten mit mehreren hundert Filialen. Moderne Kassen können mehr, leisten mehr als ihre Vorgängermodelle, aber sie brauchen oft viel weniger Strom.

 
 

© Schellbach
Weniger Strom plus weniger Rohstoffe

Thin Clients sparen laut Fraunhofer-Institut UMSICHT rund 40 Prozent Strom im Vergleich zu klassischen PCs. Thin Clients sind abgespeckte Rechner ohne eigene Festplatte, ohne Software, ohne bewegliche Teile. Sie werden über einen zentralen Server gesteuert und speichern dort ihre Daten. Das spart nicht nur Strom, sondern vereinfacht die Administration und erschwert den Missbrauch durch die Mitarbeiter. Mit Thin Clients kann man Kassen betreiben, ebenso wie Überwachungssysteme und Ladenfernsehen oder ganz normale Büroarbeitsplätze.

Aber der Stromverbrauch im Betrieb ist nur ein Teilaspekt. Die Produktion der Teile für Computer & Co. kostet oft viel mehr Energie als die Geräte im Laufe ihrer Betriebsjahre durch moderne Technik einsparen können. Umweltschützer fordern seit langem, die Komponenten so zu bauen, dass sie bei der Verschrottung leicht sortenrein getrennt werden können. So genannte Seltene Erden und Edelmetalle finden sich nicht nur in Handys, sondern auch überall sonst in der Informationstechnologie. In unseren aktuellen Interviews zum Thema Green IT weisen sowohl IBM als auch Toshiba Tec selbstverständlich darauf hin, dass sie den ganzen Lebenszyklus ihrer Produkte im Blick haben und auf umweltfreundliche Transportverpackungen Wert legen. Konkrete Aussagen sind jedoch rar, wie viel diese oder jene Maßnahme genau bringt beim neuerdings gern zitierten CO₂-Fußabdruck – dem Carbon Foodprint.

Politiker und Unternehmen sprechen über Green IT

Das ist nicht nur gut für die Umwelt. Richtig publik gemacht in Unternehmensberichten lässt sich daraus auch Kapital fürs Image schlagen. „Tue Gutes und rede darüber“, lautet ein altes Erfolgsrezept für die Unternehmenskommunikation. Einem Trend in den USA folgend, wurden Umweltberichte zu Nachhaltigkeitsberichten erweitert. „Nachhaltigkeit“, englisch Sustainability, wurde zum viel zitierten und damit immer unklareren Modebegriff, ebenso wie „ganzheitlich“. Nachdem vor Jahren der Tonerstaub von Laserdruckern im Gerede war, ist es im Handel jetzt Bisphenol A (BPA) im Thermopapier der Bondrucker. Wer hier in grüne Technik investiert, zeigt auch soziale Verantwortung – Corporate Social Responsibility.

Zahllos sind die Initiativen von Firmen, Verbänden und Politikern. So gründete der Branchenverband Bitkom 2009 eine „Green IT-Allianz“ Auf der fünften Jahreskonferenz

vom Bitkom, Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt geht es am 18. Mai um die Frage, welche Rolle Green IT bereits heute in urbanen Räumen spielt und wie die Städte der Zukunft durch Green IT intelligenter und klimafreundlicher werden können. Im Fokus stehen dabei Gebäude, Energie und Mobilität.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle ist Schirmherr für den bundesweiten „GreenIT Best Practice Award 2011“

Mit dem Award werden herausragende Lösungen zur Verbesserung der Energieeffizienz in der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) prämiert. Aufgerufen zu dem Wettbewerb hat das Unternehmensnetzwerk GreenIT-BB gemeinsam mit den Netzwerken CIOcolloquium und CIO-Circle sowie der Green IT Allianz von Bitkom.

„Der Wettbewerb bietet Unternehmen mit hoher Innovationskraft ein Podium und zeigt, dass sich Deutschland mehr und mehr zum Vorreiter im Bereich Green-IT entwickelt“, sagt Brüderle. Thomas Leitert, Initiator des GreenIT Awards: „Das Engagement des Wirtschaftsministeriums unterstreicht, dass von Green-IT neben ökologischen auch wichtige ökonomische Impulse ausgehen. Weil immer mehr Geschäftsprozesse computergestützt ablaufen, wird die IT zunehmend zum Motor für Energie- und Ressourceneffizienz in Unternehmen.“ Noch bis zum 30. Juli 2011 können sich Unternehmen und Institutionen jeder Größe und aller Branchen sowie Berater und Systemhäuser bewerben. Es bleibt abzuwarten, ob es dieses Jahr auch ein Handelsunternehmen aufs Treppchen schafft. Die Konkurrenz wächst, Green IT wird zum Massenthema in der Wirtschaft.

René Schellbach, EuroShop.de

 
 

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