Isolierglastüren am Kühlregal sparen 40 bis 60 Prozent Energie

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Interview mit Peter Ebbing, Regionalleiter Deutschland und Nordeuropa bei REMIS, Köln

Nach den Truhen sind jetzt die Regale an der Reihe. So beschreibt Peter Ebbing den Stand der Umstellung von Kühlmöbeln im Lebensmittelhandel. Abdeckungen für Truhen sparen Energie und behindern die Kunden kaum. Türen für Kühlregale können ebenfalls die Stromkosten erheblich senken, doch bei hoher Kundenfrequenz ist der Handel skeptisch. Ebbing arbeitet seit über zehn Jahren bei dem deutschen Spezialglas-Hersteller REMIS. Die Firma rüstet alte Truhen nach und ist Zulieferer für die Hersteller von Kühlmöbeln.

Wie weit ist der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bei der Umstellung seiner Kühlmöbel auf geschlossene Truhen und Regale?


Die Umstellung auf geschlossene Truhen ist in Deutschland zu 80 bis 90 Prozent erfolgt. Fast alle Supermarktketten setzen bei neuen Märkten Kühlmöbel mit Abdeckungen ein. Im Ausland ist der Anteil offener Kühlmöbel noch viel höher. Der Trend zur Nachrüstung von Abdeckungen oder dem Einsatz neuer Kühlmobel mit Glasdeckeln ist aber deutlich erkennbar.

Bei den Türen von Kühlregalen ist es etwas anders. Hier steht Deutschland noch am Anfang. Es gibt bereits Supermarktketten, die immer Türen einsetzen. Vorreiter sind Kaisers-Tengelmann, Tegut und Rewe. Und es gibt viele Testinstallationen, um den Einfluss auf die Energie-Einsparung und den Abverkauf zu überprüfen. Discounter setzen Türen nur bei Fleischkühlregalen ein. Hier gibt es noch starke Vorbehalte über die Einsatzmöglichkeit von geschlossenen Kühlregalen.

In den europäischen Auslandsmärkten ist die Situation ähnlich. In Frankreich hat der LEH eine Selbstverpflichtung zum Einsatz von Türen beschlossen. In den Niederlanden ist der Anteil geschlossener Regale aufgrund regionaler Auflagen schon sehr hoch. Auch hier gibt es einen deutlichen Trend, Türsysteme einzusetzen.

Warum tun sich die Discounter schwerer? Sehen Sie auch hier ein Umdenken? Wer ist Vorreiter?

Discounter haben ein begrenztes Warensortiment und eine hohe Kundenfrequenz. Bei hohem Kundenandrang ist der praktische Einsatz von Türen erschwert. Gleichzeitig muss sehr häufig Ware nachgefüllt werden. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen setzt noch kein Discounter flächendeckend Türen ein. Vielleicht müssten hierfür gemeinsame Sonderlösungen entwickelt werden.

 
 

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Wie entwickeln sich die Umsätze, wenn der Händler umstellt?

Die Kundenakzeptanz für Türen ist sehr hoch und es gibt keinen erkennbaren negativen Einfluss auf die Umsätze.

Welche Energie-Einsparung ist möglich? Wie oft wird die Tür dabei pro Stunde geöffnet?

Die Energieeinsparung ist stark abhängig von der Kundenfrequenz. Am Samstagvormittag kann der Öffnungszyklus je nach Produktgruppe bei circa 60 Mal pro Stunde liegen. Zu anderen Zeiten sind die Regale überwiegend geschlossen. Die Bandbreite der Energieeinsparung bei dem Einsatz von Isolierglastüren liegt bei circa 40 bis 60 Prozent gegenüber einem offenen Kühlregal.

Wann sollte man in neue Truhen, Regale oder Schränke investieren?

Je nach Zustand haben Truhen und Regale eine Nutzungsdauer von acht bis zehn Jahren. Jüngere Kühlmöbel werden umgerüstet.

Worauf sollte der Handel bei der Auswahl der geeigneten Abdeckung achten? Gibt es Dämmwerte, Normen, Effizienzklassen? Welche Gläser gibt es?

Es gibt Vorgaben, etwa dass immer ESG-Sicherheitsglas einzusetzen ist. Generell sollten die Systeme auf die Kühlmöbel abgestimmt sein, um einen hohe Energieeinsparung bei gleichzeitiger Kondensatfestigkeit sicherzustellen. Empfehlenswert ist es bei Türsystemen Isolierglas mit einem hohen UG-Wert einzusetzen. Wir raten zu <= 1,7 W/m2 x K.

 
 

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Was ist bei der Entspiegelung der Stand der Technik?

Die Entspiegelung des Glases verbessert die Warenpräsentation. Stand der Technik ist vierfach-entspiegeltes Glas. Das heißt: Alle Seiten einer Isolierverglasung sind entspiegelt. Der Aufpreis für die Entspiegelung ist aufgrund des aufwändigen Produktionsverfahrens aber sehr hoch.

Wie verhindert man, dass Glasflächen beschlagen?

Wichtig ist eine optimale Anpassungskonstruktion. Alle Bauteile müssen thermisch isoliert sein und dürfen keine Kältebrücken bilden. Bei horizontalen Glasabdeckungen müssen die Kühlmöbel für den geschlossenen Betrieb umgerüstet werden. Das erreicht man zum Beispiel durch Reduzierung der Luftgeschwindigkeit und Temperaturanpassung. Bei Türsystemen ermöglicht nur der Einsatz von Isolierverglasung mit einem speziellen Glasaufbau eine hohe Kondensatfestigkeit.

Kunde stört Kunde an der Truhe durch die Schiebeflächen – Wie kann man das Problem reduzieren?

Zur Vermeidung dieser Problematik gibt es Push-Abdeckungen. Dabei wird die Scheibe in vertikaler Richtung geöffnet und wieder zum Kunden hin geschlossen. Bei diesem System kann die Warenentnahme ohne Störung anderer Kunden erfolgen.


Interview: René Schellbach, EuroShop.de

01.10.2012

 
 

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