Ladenbau: "Nachhaltigkeit ist ein Treiber und kein Gegensatz von Design"

08.02.2017

Interview mit Dr. Christian Hilz, Geschäftsführer von TREND-Store, über Kundenbindung, die durch nachhaltiges Handeln entsteht

Foto: Freizeitcenter Albrecht ; Copyright: TREND-Store

Der neue Laden von Freizeitcenter Albrecht – ein Camping- und Caravanhändler – wird Ende März 2017 eröffnet

Bei ihm ist die Begeisterung für einen verantwortungsvollen Ladenbau zu spüren. Dr. Christian Hilz von Trend-Store ist einer derjenigen, die sich ernsthaft an diese nicht ganz einfache Aufgabe herantrauen und sein Wissen an andere weitergibt. Für ihn liegt der Schlüssel zur Nachhaltigkeit vor allem in transparenten Prozessen. Wie er das genau meint, erklärt er im Interview.

Herr Dr. Hilz, Sie haben zusammen mit dem EHI den Nachhaltigkeitsindex entwickelt, der vor einem Jahr erschienen ist. Zu welchem Zweck?

Dr. Christian Hilz: Das Thema Nachhaltigkeit ist vielen wichtig. Sie wissen aber nicht, wo sie damit anfangen sollen. Allein die Frage nach nachhaltigen Materialien ist sehr schwierig, denn es spielen sehr viele unterschiedliche Aspekte mit hinein wie deren Herkunft, Verarbeitung, Transport und so weiter. So lässt sich nicht immer eindeutig sagen, welches Material besser ist. Deshalb der Index, der unterschiedliche Materialien vorstellt, subjektiv miteinander vergleicht, und es zumindest ermöglicht, dass Unternehmen hiernach entscheiden können, wo sie ihren Schwerpunkt setzen möchten. Wir bekommen mit, dass einige Firmen den Leitfaden als erste Annäherung zum Thema nutzen.  

Foto: Christian Hilz

Dr. Christian Hilz freut sich über Reaktionen seiner Kunden, die gerade einen Store einrichten lassen: "Ich wusste gar nicht, dass man eine emotionale Beziehung zu einer Spanplatte aufbauen kann."

Bei Architekten sehen Sie auch Nachholbedarf.

Viele Architekten tun sich noch schwer. Häufig halten sie Nachhaltigkeit für einen Gegensatz von Design. Wir sagen aber: Nachhaltigkeit ist ein Treiber von Design. Was dabei generell wichtig ist: Ich muss ganz vorne in der Wertschöpfung, also beim Design, beginnen, mir über Nachhaltigkeit Gedanken zu machen. Ich muss unter anderem schon vorher wissen, ob die Wiederverwertbarkeit eines Materials zukünftig möglich ist. Falls dem nicht so sein sollte, muss aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit nach einem alternativen und gleichwertigen Material gesucht werden.  

Sie haben einen ganz neuen Ansatz, um gerade Architekten dieses Thema näher zu bringen.

Wir bieten Materialschulungen für Architekten an. Große Büros haben ein immenses Interesse an diesem Thema. Viele junge Architekten entwerfen ein tolles Design, kennen aber nicht das Material und seine spezifischen Eigenschaften, mit dem sie es bauen können. Wir gehen ganz bewusst an den Anfang der Wertschöpfung, noch bevor wir überhaupt den Auftrag haben. Dann sind wir schon einmal in den Köpfen und können Vorschläge für alternative nachhaltige Materialien einbringen. Wenn einmal die Ausschreibung raus ist, ist es unglaublich schwer, noch Änderungen zu machen. 

Diese Vorgehensweise hat auch Alnatura überzeugt. Wir planen, gemeinsam Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln und diese zusammen umzusetzen. 

Für Sie ist nachhaltiger Ladenbau aber mehr als nur die Frage nach dem Material.

Eindeutig ja. Für uns bezieht sich Nachhaltigkeit nicht bloß auf ein Produkt, sondern auf den gesamten Prozess. Außerdem ist uns das Vertrauen unserer Kunden wichtig. Deshalb arbeiten wir so transparent wie möglich. Unsere Kunden kennen ihren Bauzeitenplan und können mit einer Vorwarnzeit von einer Stunde unsere „gläserne Fertigung“ in Greding aufsuchen, um auch sicherzugehen, dass wir wirklich wie zugesagt an unserem Standort die Ladeneinrichtungen produzieren und auch der Fertigungsstand wirklich dem berichteten Stand entspricht. Das machen unsere Kunden auch wirklich. 

Wir hatten kürzlich einen Kunden, der sich vor gerade gelieferte Platten stellte und sich fotografieren ließ, um zu zeigen: "Das ist mein Projekt im ersten Schritt." Dadurch ist uns der Stolz des Kunden für sein eigenes Projekt deutlich geworden.

Wir machen auch Fotos in laufenden Projekten und zeigen die Schritte, an denen wir gerade arbeiten. Unsere Zukunftsvision ist, dass die Kunden sich live in die Fertigung hineinschalten können. Bei größeren Projekten machen wir bereits 30 bis 60 Sekunden-Clips und stellen die Mitarbeiter vor, die konkret am betreffenden Kundenprojekt arbeiten. Das soll vermitteln, dass der Kunde das Projekt nicht mit Trend-Store, sondern mit den Menschen dort macht. Nachhaltigkeit bedeutet ja auch: Ich habe ein Vertrauensverhältnis zur Person. Die Person, die dort steht, verkörpert die Werte des Unternehmens und steht auch persönlich für den Erfolg des Projektes. So kann man Kundenbindung herstellen - und das ist für mich der Mehrwert von Nachhaltigkeit. 

Sie bauen auf das gute alte "Made in Germany".

Ja, wir produzieren vieles hier vor Ort. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das kurzfristig eigentlich unsinnig – Outsourcing und externes Projektmanagement sind hier die Schlagworte. Wir werden häufig gefragt: „Warum habt ihr eine eigene Schlosserei? Warum macht ihr das selbst? Ihr müsst ja teurer sein!“ Es mag sein, dass wir in der Angebotsphase kalkulatorisch teurer sind. Aber der Kunde zahlt nicht für die Auftragserteilung, sondern dafür, dass er das bekommt, was er haben will – in der gebotenen Zeit und zur gewünschten Qualität mit einer beherrschbaren und ehrlichen Flexibilität.

Warum lohnt es sich für Sie als Unternehmen, Nachhaltigkeit so stark zu leben?

Es lohnt sich, weil es die Kunden honorieren. Indem wir unsere Prozesse offen und transparent gestalten und mit unserer Produktion vor Ort diese Vorgänge nachvollziehbar machen, schafft das großes Vertrauen. Vor einigen Jahren stand unser Unternehmen vor der Insolvenz. Das Thema Nachhaltigkeit hat uns danach eine Basis geschaffen, mit der wir nun viel besser im Markt stehen und mit der wir uns gerade im Bereich kleinerer Branchen ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen haben.

Wie geht es weiter bei Trend-Store?

Wir arbeiten immer weiter an neuen Möglichkeiten, nachhaltiger zu werden – auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Zum einen soll die Energiebilanz unseres Gebäudes positiv werden. Außerdem läuft derzeit ein Pilotprojekt an, das die Rückverfolgbarkeit von Materialien möglich machen soll.  Hier bedienen wir uns intelligenten Ansätzen der Digitalisierung. Die Blockchain-Technologie bietet hier eine vielversprechende Basis für unsere weiteren Entwicklungen.

Ab Mitte des Jahres stellen wir im Betrieb die Lackiererei auf Wasserlacke um. Die bisherigen lösungsmittelhaltigen Lacke sind für alle Beteiligten im Fertigungsprozess und auch für die Mitarbeiter im Handel auf der Fläche aufgrund der ausströmenden Schadstoffe ungesund und ihre Wiederverwertbarkeit geht gegen Null. Im Möbelbau für den Privatbereich sind sie längst verboten.

Gleichzeitig nähern wir uns dem Thema Logistik. Händler wünschen sich, dass der Aufbau auf der Fläche möglichst wenig Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb werden Möbel häufig schon vorher zusammengebaut. Dann brauche ich aber anstelle von zwei LKW vielleicht fünf und transportiere Luft. Wir haben uns eine mögliche Lösung dazu ausgedacht. (Anm. d. Red.: Wie die Lösung aussieht, wollte uns der Innovator leider noch nicht verraten.)

Ausgezeichnet für geschicktes Shop-Recycling: Intersport Höcke

Ausgezeichnet für geschicktes Shop-Recycling: Intersport Höcke

Eine Frage am Rande: Was werden Sie in diesem Jahr auf der EuroShop vorstellen?

Wir werden auf der EuroShop den Fokus auf andere, nachhaltige Prozess-Innovationen im Ladenbau legen, welche sehr stark von den Möglichkeiten der Digitalisierung getrieben werden. Man muss nur die Bereitschaft haben, in diese für den Ladenbau doch neue Themen „einzutauchen“. Dieses Eintauchen in Prozess-Innovationen hat uns beim Design unseres Standes auf der EuroShop geleitet.

So werden wir unter anderem die Software "TREND-store Design-Bar" vorstellen, mit der man Ladenmöbel individuell planen kann, die wir dann auch in deutlich kürzerer Zeit liefern. Das funktioniert ähnlich wie der Küchenkonfigurator von Ikea. Eine erste Pilotanwendung zeigen wir an unserem Stand auf der EuroShop. Der Kunde kann damit selbst im Webbrowser gestalten, Rundungen, Streben, Fachböden etc. hinzufügen oder auch wieder entfernen und so weiter. Dies alles geht auf jedem Endgerät, also ohne ein bestimmtes CAD-Tool und ohne CAD-Kenntnisse. Über TREND-store-Designbar werden alle Prozesse automatisch und ohne zeitlichen Verzug direkt bis zur Produktion auf die einzelnen Maschinen gesteuert. So könnte die Produktion beginnen, sobald der Kunde in der TREND-store-Designbar den Button zur Bestellung seines individuellen Ladenmöbels drückt. Natürlich können auch spezifische CI-Vorgaben in die TREND-store-Designbar integriert werden.

Außerden zeigen wir die Möglichkeiten eines 3D-Scans für den Ladenbau sowie unsere Kunden-App "TREND-Store.Mein Projekt", die Vorgänge transparenter macht.


Autor: Natascha Mörs; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com