Leichter und billiger als echte Brocken und Bretter

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Interview mit Edmund Ostrowski, Geschäftsführer WVS, Bad Wurzach

Der Industriekaufmann Edmund Ostrowski war Vertriebsleiter eines Spanplattenwerkes, als er 1985 die eigene Firma gründete. Er produziert Werkstoffverbundsysteme – daher der Name WVS. Mit Spanplatten hat das fast nichts mehr zu tun, Ostrowski spezialisierte sich auf die Nachbildung der Natur – Holz glatt und rau, Stein und auch Beton. Abnehmer sind Ladenbauer und Inneneinrichter. WVS beschäftigt zehn Mitarbeiter, darunter sechs Berater für Architekten und Raumplaner. Mit Edmund Ostrowski sprachen wir über die Vorteile des Imitats und über Oberflächen-Trends.

Natur hat im Ladenbau einen hohen Stellenwert. Was spricht für Imitate statt echte Hölzer und Felsen?


Für den Einsatz von Imitaten spielt häufig neben dem Preis die einfache Verarbeitung, sowie eine schnelle Montage eine große Rolle. Zum Beispiel im Bereich der Steinnachbildungen ist eine Montage nahezu ohne große Vorkenntnisse von jedermann möglich. Eine Verlegung und Montage von echtem Stein ist dagegen ausschließlich Fachleuten vorbehalten.

Wie ist die Umweltbilanz Ihrer Nachbildungen?

Unsere Steinreproduktionen, die wir unter dem Namen Panespol verkaufen, werden aus einem Kern von hochverdichtetem PU in Verbindung mit einer echten, mineralischen Oberfläche hergestellt. Dieses Produkt ist daher aus bauphysiologischer sowie ökologischer Sicht absolut unbedenklich. Die für unsere Prägeplatten verwendeten Trägerplatten unterliegen den europäischen Normen. Bei den eingesetzten Furnieren handelt es sich zum größten Teil um sogenannte Fineline-Furniere, also industriell konstruierte Holznachbildungen. Als Ausgangsbasis werden hierfür größtenteils schnell wachsende Hölzer wie zum Beispiel Pappel verwendet.

Welche Ladenbauer verwenden Ihre Oberflächen? Gibt es spannende Referenzprojekte?

Wir arbeiten nahezu mit allen namhaften Ladenbaufirmen zusammen. Zum Einsatz gelangen unsere Produkte bei sehr vielen Firmen wie zum Beispiel Douglas, Intersport, Escada, Bogner, Edeka, Rewe, Mey, Loewe und vielen mehr.

 
 

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Die Vielzahl der Oberflächen auf dem Markt wird immer größer. Sind die Planer ausreichend informiert? Wie kann sich ein Händler einen eigenen Überblick verschaffen?

Neben ständiger direkter Präsenz bei den trendbestimmenden Planungsbüros werden unsere Interessenten und Kunden permanent durch unseren WVS-Kurier über Neuheiten informiert. Unsere Homepage wird ebenfalls ständig aktualisiert, so dass sich die User einen aktuellen Überblick über unsere Oberflächen verschaffen können.

Kann man Wärmedämmung oder Schallschutz mit dem Dekorationsbau verbinden?

Ja, unsere Panespol-Produkte verfügen über einen sehr guten Wärmeleitwert und bieten aufgrund des hochverdichteten PU-Trägers gute Schalldämmwerte. Dies trifft ebenfalls auf unsere Betonimitation Kreos-Beton zu.

Was ist beim Brandschutz zu beachten? Welche Brandschutzklassen sind wichtig?

Hier sind die Vorschriften von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Üblicherweise genügt die Verwendung von B2 – also schwer entflammbar. Auf Wunsch kann auch B1 geliefert werden. Meistens werden diese Kriterien projektbezogen von Brandschutzbeauftragten festgelegt und überprüft. Besondere Berücksichtigung finden hierbei die Gebäudeausstattung – etwa das Vorhandensein von Sprinkleranlagen – oder die Beschaffenheit der Unterkonstruktion beispielsweise von Wandelementen.

Gibt es bei Holzoberflächen Modetrends? Was ist zurzeit angesagt?

Ein Trend im Holzbereich ist nach wie vor die gute alte Eiche in allen möglichen Varianten von Natur, Schoko, geräuchert, verwittert. Eine weitere Rolle spielen Nussbaum, Ulme, Esche, Maro Ebenholz, Lärche geräuchert. Tiefe, prägnante Strukturen, Spalt-Optiken, sägerauhe Oberflächen, Holz mit Gebrauchsspuren – sogenannte used-surfaces – sind gefragt. Angesagt sind auch Altholz oder auf alt getrimmte Oberflächen.

Welche Unterschiede gibt es bei Beton-Oberflächen?

Unterschiedliche Produktionstechnologien verschiedener Produzenten ergeben differenzierte Optiken. Wenn eine echte Oberfläche nachgebildet wird, dann muss sie so gut sein, dass zu einer Original-Betonoberfläche optisch kein Unterschied zu sehen ist.

 
 

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Natursteinnachbildungen werden immer perfekter. Aber es kommt auch darauf an, wie sie verbaut werden. Worauf muss der Ladengestalter achten?

Auch im Bereich der Natursteinoptik gilt die Aussage, wenn nachgebildet, dann so dass im Vergleich zu einem Originalstein keine Unterschiede erkennbar sind. Neben der Optik spielt sehr wohl auch die Haptik, sowie die Beschaffenheit der Paneele eine große Rolle. Der Ladenbauer sollte im Besonderen darauf achten, inwiefern sich die Paneele einfach und auf schnellem Wege montieren lassen. Dies ist bei der Preisfindung ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Denn auch hier heißt es „Zeit ist Geld“.

Damit große Flächen durch wiederkehrende Elemente nicht künstlich wirken, ist darauf zu achten, dass Platten zum Beispiel handbemalt sind und sich so jedes einzelne Paneel als Unikat darstellt. Bei immer wiederkehrenden prägnanten „großen Steinen“ ist darauf zu achten, dass die Hersteller hier mehrere Paneele einer gleichen Sorte anbieten.

Was war Ihre Messeneuheit bei der letzten EuroShop und was ist daraus geworden? Wo kann man das Produkt „im Einsatz“ sehen?

Unsere Messeneuheiten auf der Euroshop waren Spalt-Oberflächen, sowie creagloss-hochglanz. Beide Produkte wurden vom AIT anlässlich der Euroshop 2011 ausgezeichnet. Weiterhin haben wir zum ersten Mal Kreos-Beton vorgestellt. Auch dieses Produkt erfreut sich großer Beliebtheit und wurde bereits in interessanten Projekten erfolgreich eingesetzt.

Wann beginnt bei Ihnen die Planung für die nächste EuroShop? Wie planen Sie den Messeauftritt?

Wir werden uns ab ca. März 2013 mit der Planung der Euroshop 2014 beschäftigen. Voraussichtlich werden wir uns darauf fokussieren, unsere Produkte in Forma von Anwendungsbeispielen vorzustellen (z.B. Möbelteile, Wandabwicklungen etc.).


Interview: René Schellbach, EuroShop.de

03/09/2012

 
 

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