Logistikprozesse: Handel ist gut gerüstet für die Zukunft

© panthermedia.net/Mark Tilly

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Etwa 30 Prozent aller Logistikkosten in Deutschland entfallen auf den Handel. Während im stationären Handel die Optimierung von etablierten Prozessen wie Distribution und Lagerhaltung im Fokus stehen, um die Kosten zu reduzieren, werden im Online-Handel der Umgang mit Retouren und eine schnelle Lieferung bis zur Haustür des Kunden immer wichtiger.

Auf dem 30. Deutschen Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. diskutierten die Experten in der Fachsequenz Handel die aktuellen nationalen und internationalen Entwicklungen sowie mögliche Antworten darauf.

Garantierte Same-Day-Delivery im Online-Handel

Online-Shopping ist heute Normalität. Neun von zehn Internet-Nutzern kaufen online ein, 40 Prozent von ihnen sogar regelmäßig. Beim digitalen Einkauf erwarten Kunden zunehmend eine schnelle Lieferung, am besten zu einer Zeit, die sie selbst bestimmen. Die dafür notwendige Logistikstruktur zu etablieren, bedeutet für den Handel eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig ist sie als letzte Interaktion von Händler und Kunde aber von zentraler Bedeutung für den Geschäftserfolg. Same-Day-Delivery ist in Deutschland aufgrund der hohen Kosten noch selten. Der Lieferpartner muss zuverlässig und flexibel sein und die Waren pünktlich zum Kunden bringen.

In England ist der Wirtschaftsbereich Logistik bereits einen Schritt weiter, wie Paul Ellis, Global Head of Operations beim Same-Day-Delivery-Sturt-up Shutl deutlich machte. Shutl garantiert den Online-Käufern seiner Partnerunternehmen eine Lieferung noch am selben Tag, auf Wunsch auch innerhalb eines bestimmten Zeitfensters. Dafür kooperiert das Unternehmen mit einem Netzwerk von Transporteuren. Für jede Bestellung, die bei einem der Partner von Shutl eingeht, wird von den Transporteuren automatisch ein Angebot generiert. Anhand der Kriterien Preis und Lieferqualität wählt Shutl das beste Angebot aus, der Transporteur holt die Ware beim Händler ab und liefert sie zum gewünschten Zeitpunkt direkt zum Kunden.

Passgenaue Logistikstrukturen bestimmen Markterfolg im Online-Handel

Eine ansprechende Präsentation und ein breites Produktsortiment reichen nicht aus, um im Online-Handel erfolgreich zu sein. Gerade Gründer und Start-ups werden schnell Opfer ihres Erfolges: Der Aufwand, der nötig ist, um die bestellten Waren termingerecht auszuliefern und Retouren abzuwickeln, wird oft unterschätzt. Im E-Commerce sind effiziente Logistikstrukturen und ein durchdachtes Supply Chain Management daher besonders entscheidend für den Geschäftserfolg. Bereits beim Aufbau des Logistiknetzwerkes muss beispielsweise zwischen einer starken Zentralisierung mit gebündeltem Know-how und hoher Sortimentsverfügbarkeit und einer regionalen Struktur abgewogen werden, die eine schnellere Lieferung und zügigere Retouren ermöglicht.

Der Online-Händler Zalando kombiniert die Vorteile beider Auslegungen, wie Simon Straub, Leiter Logistics Network Development bei Zalando, berichtete. Gerade bei Warenrücksendungen erwarten Kunden einen geringen Aufwand und eine schnelle Abwicklung. Deshalb kombiniert Zalando fünf große Logistikzentren in Deutschland mit einem weit verteilten Partnernetzwerk, über das die Abwicklung der Retouren effizienter organisiert wird. Außerdem hat der Online-Händler seine komplette Lager- und Transportlogistik national und international an externe Logistik-Dienstleister vergeben, die den jeweiligen Markt und die Kundenbedürfnisse kennen und somit Lieferung und Retouren zügiger und flexibler ausführen können.

Optimierte Filiallogistik durch Harmonisierung von Logistik und Vertrieb

Die Logistik der letzten Meile ist seit Jahren eines der bedeutendsten Themen des Supply Chain Managements des stationären Handels. Gerade die Logistik in der Filiale ist oft mit hohen Kosten verbunden: Sie beansprucht teure Flächen für Wareneingang und Lagerung und bindet rund die Hälfte der Arbeitszeit der Mitarbeiter. Die Filiallogistik selbst zählt im Gegensatz zur Logistik der letzten Meile zum Aufgabenbereich des Vertriebs. Das erschwerte bis jetzt neue Lösungen zur Optimierung.

Für Alexander Ralfs, Leiter Supply Chain Management Retail bei Tchibo, ist für eine verbesserte Filiallogistik die Harmonisierung von Warenanlieferung und Verräumung der zentrale Hebel. Insbesondere die Kommunikation zwischen Vertrieb und Logistik muss verbessert werden, um die Filiallogistik effizienter zu machen. Dazu ist es notwendig, gemeinsame Vorstellungen zu entwickeln wie beispielsweise ein einheitliches Regalbild. Nach dessen Vorgaben können in den Distributionszentren Lieferungen so gepackt werden, dass in den Filialen eine schnellere Regalbestückung möglich ist.

Luxusgüter für China: Schnelle Versorgung trotz langer Lieferketten

Zehn Prozent des weltweit mit Luxusgütern generierten Umsatzes werden in China erwirtschaftet. Laut Prognose einer der führenden asiatischen Investmentbanken wird das Reich der Mitte im Jahr 2020 der größte Markt für Luxusgüter und für 44 Prozent der gesamten Nachfrage an solchen Produkten verantwortlich sein. Für viele Unternehmen erweist sich jedoch die lange Supply Chain bis in den chinesischen Handel als Herausforderung.

Das französische Unternehmen LVMH hält die Mehrheitsrechte an über 60 Luxusmarken und ist weltweiter Branchenführer in der Luxusgüterindustrie. Auch die Supply Chain von LVMH ist von langen Durchlaufzeiten geprägt, wie Pamela Lin, Logistics Director bei LVMH Perfume & Cosmetics Shanghai, berichtete: Die Produkte sind von der Warenproduktion über verschiedene Distributionszentren in das chinesische Warenlager und von dort in die Filialen zwischen vier und zehn Monaten unterwegs. Um eine zügige Versorgung des chinesischen Handels sicherzustellen, setzt LVMH zum einen auf Qualifikations- und Motivationsprogramme für die Mitarbeiter, um den Operationsfluss vor Ort im chinesischen Lager zu verbessern. Zum anderen wird durch die Bündelung von Bestellungen, Lieferpriorisierungen und ein ständiges Effizienz-Monitoring eine bestmögliche Ressourcenplanung erreicht.

Quelle: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.