Man lernt nie aus – auch im Handel nicht

01.09.2014

Auch im Einzelhandel ist eine gute Ausbildung die Grundlage für eine erfolgreiche Karriere. Und genau wie in anderen Branchen werden die Möglichkeiten immer vielfältiger. Der Einstieg in den Handel kann sowohl über eine Berufsausbildung, als auch über einen handelsorientierten Studiengang gelingen. Aber auch nach dem erfolgreichen Karrierestart gilt: Nur wer sich regelmäßig weiterbildet und up to date bleibt, wird erfolgreich. Gerade bei den vielfältigen Wandlungsprozessen im Einzelhandel nimmt lebenslanges Lernen einen hohen Stellenwert ein.
Foto: Karriereleiter; © Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V.

Der Ausdruck "Karriere mit Lehre" stimmt im Handel immer noch; © Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V.

In den letzten Jahren steigt der Akademikeranteil im Einzelhandel immer weiter an. Das liegt natürlich an der steigenden Komplexität der Prozesse. Auch die zunehmende Internationalisierung im Einzelhandel bringt neue Herausforderungen. Beschäftigte im Handel müssen mit steigenden und sich stetig ändernden Arbeitsanforderungen fertig werden. Neue Waren erfordern neue Produktkenntnisse, die Modernisierung der Geschäftsprozesse erfordert betriebswirtschaftliches Know-how, die Durchdringung des Handels mit neuer Technologie erfordert IT-Kompetenz und die Kundenorientierung erfordert nicht nur Verkaufskompetenz, sondern auch die Fähigkeit, Kundenwünsche zu erkennen und zu analysieren sowie immer wieder gerne mit den Kunden umzugehen.

Wissen, was der Kunde will – den PoS kennenlernen

Es gibt immer noch ein Kriterium, dass für alle Beschäftigten im Handel gleichermaßen gilt: Um selbst erfolgreich zu sein und zum Erfolg des Unternehmens beizutragen, muss man Kundenwünsche verstehen. Daher sind die praktische Berufserfahrung und fundierte Kenntnis der Aufgaben am Point of Sale unerlässlich.

Das ist auch der Standpunkt des Handelsverbands Deutschland (HDE). Er sieht den Handel als einen der Wirtschaftsbereiche, in denen der Ausdruck "Karriere mit Lehre" immer noch stimmt. Viele Führungskräfte bis in ganz hohe Positionen hinein und auch viele selbstständige Händler haben sich die Kenntnisse, die sie erfolgreich machen, durch eine Berufsausbildung und anschließende Fortbildung im Handel angeeignet.

Verkäufer und Kaufmann sind die beliebtesten Ausbildungen

Obwohl die Händler in einer großen Zahl von Berufen ausbilden, sind die wichtigsten Ausbildungsberufe des Einzelhandels laut HDE immer noch der Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel (aktuell rund 66.000 Auszubildende) und der Verkäufer/Verkäuferin (aktuell rund 48.000 Auszubildende).

Fast drei Viertel aller Auszubildenden im Handel erlernen einen dieser beiden Berufe, die sie auf die vielfältigen Fach- und Führungsaufgaben vorbereiten. Während ihrer Ausbildung lernen sie die wesentlichen Handlungsbereiche kennen. Dazu gehören zum Beispiel Verkauf und Kundenberatung, Anwendung von Warenwirtschaftssystemen, die Warenpräsentation und die Weiterentwicklung der Warensortimente.

Daher bilden die Ausbildungen zum Verkäufer und Kaufmann eine wichtige Voraussetzung, um sich später mit einer Fortbildung weiter zu qualifizieren. Die wichtigsten Fortbildungsberufe des Einzelhandels sind dabei der/die Geprüfte/-r Handelsfachwirt/-in und der/die Geprüfte/-r Handelsassistent/-in Einzelhandel. Mit einer Weiterbildung erhöhen sich die Chancen auf einen beruflichen Aufstieg – denn erst die Fortbildung zum Handelsfachwirt ermöglicht zum Beispiel den Sprung zur Position eines Bezirksleiters oder regionalen Verkaufsleiters.

Natürlich kann für Mitarbeiter mit dem entsprechenden Bildungsabschluss auch die Aufnahme eines Studiums sinnvoll sein, das Voraussetzung für die höheren Führungspositionen ist. Mit einer Weiterbildung kann der Mitarbeiter zwar auch in eine leitende Position aufsteigen – wer aber zum Beispiel Filialleiter in einem größeren Haus werden will, sollte studiert haben - zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre.
Grafik: Bereiche, in denen sich Mitarbeiter weiterbilden; © Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Auch im Handel bilden sich die Mitarbeiter am häufigsten über externe Seminare und Lehrgänge weiter; © Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Verschiedene Formen der Weiterbildung werden angeboten

Externe Kurse, Lehrgänge und Seminare spielen die größte Rolle bei Weiterbildungen im Einzelhandel. Im Jahr 2011 nutzten 74 Prozent der weiterbildungsaktiven Betriebe im Einzelhandel diese Art der Weiterbildung, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner „Branchenstudie Einzelhandel“ im Jahr 2013 festgestellt hat. Interne Kurse, Lehrgänge oder Seminare (63 Prozent), Weiterbildungen am Arbeitsplatz (62 Prozent) und die Teilnahme an Vorträgen und Tagungen (50 Prozent) sind andere häufig genutzte Formen der Fortbildung. Eine Auswahl von Instituten, die entsprechende Weiterbildungskurse anbieten, hat das Online-Portal einzelhandelskauffrau.org hier zusammengestellt. Auch die Zentralstelle für Berufsbildung im Handel bietet eine Weiterbildungsdatenbank an.

Weiterbildung als Mittel gegen Personalprobleme

Für den Einzelhandel ist also die betriebliche Ausbildung besonders wichtig. Aber auch die Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter nimmt einen hohen Stellenwert ein, da sie ein gutes Mittel gegen die sich abzeichnenden Personalprobleme darstellt. Im Hinblick auf den demographischen Wandel und den daraus resultierenden drohenden Engpass an Fachkräften ist die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen eine wichtige personalpolitische Maßnahme, um weiterhin den Bedarf an Fachkräften zu decken.

Hier steht der Einzelhandel allerdings auch vor besonderen Problemen. Die Arbeitgeber sind sich der Tatsache bewusst, dass vergleichsweise unattraktive Arbeitsbedingungen eine Schwierigkeit bei der Personalsuche darstellen. Flexible Arbeitszeitregelungen mit häufiger Arbeit am Wochenende und am Abend, eine vergleichsweise schlechte Bezahlung und eine hohe Zahl von Teilzeitbeschäftigten gehören im Einzelhandel zum Alltag. Das macht das Arbeitsfeld für Bewerber generell weniger attraktiv als andere Branchen.

Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Laut der Branchenstudie des IAB befürchten die Einzelhandelsbetriebe zwar nicht im selben Maß einen Fachkräftemangel wie die Privatwirtschaft und der Dienstleistungsbereich. Das könnte sich jedoch als kurzsichtig herausstellen – denn personalpolitische Strategien wie die Förderung von Weiterbildungen, aber auch die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen, sind ein Schlüssel, um auch zukünftig den Fachkräftebedarf zu decken.

Die Weiterbildung spielt also im Handel eine besonders große Rolle. Einerseits gilt das natürlich für die Arbeitgeber, in ähnlichem Maße aber auch für die Arbeitnehmer im Handel. Sie können mit der richtigen Qualifikation und Engagement die eigene Karriere in ganz neue Bahnen mit neuer Verantwortung lenken– und zwar mehr als in anderen Branchen.

Autor: Daniel Stöter; EuroShop
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com