Mit Kälte heizen

EHI-Studie analysiert Maßnahmen zur Energieoptimierung im Handel

01.02.2017

Der Energieverbrauch im Einzelhandel entfällt zu einem überwiegenden Teil auf elektrischen Strom. Das zeigt die aktuelle EHI-Studie „Energiemanagement im Einzelhandel 2016“. Durch den hohen Einsatz elektrischer Energie entsteht i.d.R. eine große Menge Abwärme, die viele Händler bereits professionell als Wärmequelle in ihren Filialen verwerten. Dies gilt insbesondere für die Abwärme aus der Kältetechnik im Lebensmittelhandel.
Grafik: Stromverbrauch im Food-Handel 2016; copyright: EHI-Studie Energiemanagement im Einzelhandel 2016

Stromverbrauch im Food-Handel 2016 (aus der EHI-Studie "Energiemanagement im Einzelhandel 2016")

Das Heizen mit Brennstoffen spielt daher im Handel eine eher untergeordnete Rolle. „Von zahlreichen Unternehmen wissen wir, dass sie in einer zunehmenden Anzahl ihrer Filialen bereits gänzlich auf einen Gasanschluss verzichten können“, so Benjamin Chini, Projektleiter Forschungsbereich Energiemanagement und Autor der Studie.

Händler unter Strom

Im Food-Handel entfallen 83 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf elektrischen Strom und nur 17 Prozent auf Wärmeenergie. Im Nonfood-Handel liegt der Stromanteil bei 65 Prozent und der Wärmeanteil bei 35 Prozent. Durch die intensive Nutzung elektrischer Energie, in erster Linie für Kältetechnik, Klimatisierung und Lüftung, fallen große Mengen an Abwärme an. Dies gilt besonders für die Lebensmittelbranche. Deshalb lässt sich hier viel Wärme zurückgewinnen.

Grafik: Stromverbrauch im Nonfood-Handel 2016; copyright: EHI-Studie Energiemanagement im Einzelhandel 2016

Stromverbrauch im Nonfood-Handel 2016 (aus der EHI-Studie "Energiemanagement im Einzelhandel 2016")

Wertvolle Wärmerückgewinnung

Etwa ein Zehntel der befragten Lebensmittelhändler beheizt bereits mehr als ein Fünftel seiner Filialen mit Abwärme, knapp 20 Prozent können 5 bis 20 Prozent ihrer Märkte nahezu komplett durch die Wärmerückgewinnung versorgen. Bei den meisten Händlern (73 Prozent) liegt dieser Anteil allerdings erst bei maximal 5 Prozent.

Die Effizienz eines Systems, das über die Kälteanlage kühlt und gleichzeitig per Abwärme heizt, ist von einer optimalen Abstimmung zwischen Kälteanlage bzw. Wärmerückgewinnungssystem und Gebäudehülle abhängig. Problematisch ist die wirtschaftliche Realisierbarkeit von Systemen zur effizienten Wärmerückgewinnung folglich vor allem in Bestandsmärkten. Hier müssen solche Systeme an die jeweiligen Vorgaben der Immobile angepasst werden und können nicht bereits bei der Gebäudeentstehung berücksichtigt werden.

Verteilung der Stromverbraucher

Die Kältetechnik stellt mit 46 Prozent den größten Stromverbraucher im Lebensmitteleinzelhandel dar, gefolgt von Beleuchtung mit einem Anteil von 26 Prozent. Klimatisierung bzw. Lüftung haben einen Anteil am Stromverbrauch von 11 Prozent. Bei den sonstigen Stromverbrauchern* wie z.B. Türen, Kassen, Fahrsteige/Fahrtreppen oder Informationstechnik, liegt der gemeinsame Anteil bei 17 Prozent.

Im Nonfood-Handel hingegen wird der überwiegende Teil des Stroms (60 Prozent) von der Beleuchtung verbraucht. Gut ein Fünftel des Verbrauchs entfällt auf Klimatisierung bzw. Lüftung. Die sonstigen Verbraucher beanspruchen noch einen Anteil von ebenfalls rund einem Fünftel.

Quelle: EHI Retail Institute