Mobile Payment auf dem Vormarsch

02.10.2014

Mit Mobile Payment besetzt die EuroCIS, Europas Leitmesse für Handelstechnologie, eines der Themen, das die Prozesse im Handel nach Ansicht von Experten in den nächsten Jahren revolutionieren wird. So wurden im Jahr 2013 laut einer Studie des Instituts Gartner weltweit bereits 235 Mrd. US-Dollar über mobile Bezahldienste umgesetzt. Bis 2017 sollen sich diese Zahlen verdreifachen.

„Nach einer aktuellen EHI-Studie haben 23 Prozent der großen Handelsunternehmen bereits NFC-Technologie eingeführt, weitere 47 Prozent planen deren Einführung, davon mehr als ein Drittel noch in 2014. Dies unterstreicht die Bereitschaft des Handels, die Voraussetzungen für innovatives Bezahlen an den Kassen zu schaffen“, sagt Horst Rüter, Forschungsbereichsleiter Zahlungssysteme und Mitglied der Geschäftsleitung des EHI.

Mobile Payment bezeichnet das kontaktlose Bezahlen z.B. per Kreditkarte mit NFC-Funktion (Near Field Communication) oder das mobile Bezahlen per Smartphone mit NFC-fähiger App. Die Technologie sei zwar noch nicht Mainstream, „aber ist gerade dabei, Mainstream zu werden“, sagt etwa Nils Winkler, CEO bei Yapital, Luxemburg. Das Unternehmen agiert als Anbieter einer bargeldlosen Cross-Channel-Paymentlösung, mit der Kunden über alle Kanäle hinweg, d.h. ebenso stationär, wie auch mobil, online oder per Rechnung, bezahlen und einkaufen können.

Laut Winkler werde die Entscheidung von Apple, eine mobile Bezahllösung in das iPhone 6 zu integrieren, die Entwicklung beschleunigen und dazu führen, dass Mobile Payment für die Konsumenten schneller zur Selbstverständlichkeit wird, als es sonst der Fall gewesen wäre. „Es sieht also gut aus – nicht nur für Apple, sondern für die Mobile Payment-Branche insgesamt.“

Ähnlich die Sichtweise bei Telefónica, München, Anbieter eines kompletten „Öko-Finanzsystems“ (u.a. mpass für das Bezahlen per Mobiltelefon): Neben der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft sei der ungebremste Smartphone-Boom ein wichtiger Anschubfaktor für das Wachstum des Bereichs Mobile Payment. Von den über 16-jährigen Deutschen besäßen bereits mehr als 90 Prozent ein Smartphone. „Die ‚kleinen Alleskönner‘ sind zum ständigen Begleiter geworden und helfen dabei, dass Leben ein Stück einfacher zu machen“, heißt es bei Telefónica.

Positive Impulse für Mobile Payment kommen aber auch aus anderen Bereichen. So wachse parallel zur Zahl NFC-fähiger Smartphones das Interesse von Banken und Handel an mobilen Bezahl- Lösungen. Auch Kreditkartenunternehmen verbessern die „Infrastruktur“ für Mobile Payment, zum Beispiel durch die Erhöhung der Anzahl an NFC-Zahlungsterminals. So teilte MasterCard mit, dass NFC-Zahlungen über MasterCard/Maestro bis 2018 in Deutschland flächendeckend zur Verfügung stehen sollen.

Vor diesem Hintergrund setzen viele Anbieter im Bereich Mobile Payment darauf, Handel und den Konsumenten eine innovative Gesamtlösung mit neuen Mehrwerten anzubieten. Ziel: Die Verknüpfung der realen mit der digitalen Welt. So werden auf der Messe EuroCIS Lösungen vorgestellt, bei denen Mobile Payment mit Mobile Advertising verschmolzen wird. Dabei erhält der Kunde einen mobilen Coupon via SMS/MMS auf sein Smartphone. Diesen kann er direkt im Handel an der Kasse einlösen, indem er einfach sein Smartphone über das NFC-fähige Zahlungsterminal hält. Abgerechnet wird dann über das mobile Bezahlverfahren.

Neben dem Einsatz von Mobile Payment in Loyalty-Programmen und Couponing ist auch der Wunsch nach einem eigenen modernen Image ein wichtiges Motiv für die Beschäftigung mit der Thematik. „Wir haben herausgefunden, dass mehr als 70 Prozent der großen deutschen Handelsunternehmen in NFC-Technologien oder auch QR-Code-Scanner investieren wollen, um technisch für die steigende Akzeptanz von kontaktlosen und mobilen Bezahllösungen am POS und in Online-Shops gerüstet zu sein“, berichtet Markus Hövekamp, Geschäftsführer VeriFone, Bad Hersfeld, ein Anbieter von Produkten wie Allround-Terminals, moderne Interaktionsplattformen sowie tragbare Lösungen.

Laut Hövekamp besteht die Herausforderung für den Handel gegenwärtig darin, bei der Ausstattung der Lösungen für den POS auf die für mehrere Jahre richtungsweisende und damit investitionssichere Technologie zu setzen.“ Auch deshalb, so die Einschätzung vieler Mobile Payment-Profis, hat die kommende EuroCIS als Informationsplattform eine überragende Bedeutung.

Mobile Payment werde auch deshalb eine wichtigere Rolle spielen, weil E-Commerce und stationärer Handel immer mehr miteinander verschmelzen. So die Überzeugung von Rainer Sureth, CEO Concardis, Eschborn, ein Anbieter von Zahlungslösungen für den stationären Handel, Dienstleistungsunternehmen, Internet- und Versandhandel. Dabei spiele die Technologie nur eine untergeordnete Rolle. Alles sei willkommen, „was den Zahlprozess vereinfacht, egal, ob die Lösung auf NFC-Chips, QR-Codes, Bluetooth Low Energy oder einer anderen Technologie basiert.

Das Unternehmen gehört zu den Anbietern, die mit mobilen Bezahllösungen die Verkaufsmitarbeiter im Handel in die Lage versetzen wollen, an jedem Ort innerhalb des stationären Geschäftes Zahlungen abwickeln zu können. Zum Einsatz kann dabei eine kartenbasierte Mobile Payment-Lösung für das Smartphone des Verkäufers kommen. Eine solche Strategie sei mit vergleichsweise geringen Investitionen verbunden und ermöglicht dem Personal zusätzliche Zeit für Beratung und Verkauf. Laut Sureth ein treffender Beleg für seine These, dass der Handel schon jetzt viel mehr Optionen habe, als nur darauf zu warten, dass sich eine Methode, ein Anbieter oder eine App für Mobile Payment durchsetzt.

Statt sich mit Investitionen völlig zurückzuhalten, können Händler den mobilen Zahlungsverkehr auch selbst entscheidend voranbringen: indem sie mit vergleichsweise kleinem Aufwand Kartenterminals für das Smartphone einsetzen. Damit kann jeder Händler, Handwerker, Marktverkäufer, Gastronom, Messeaussteller oder Taxifahrer auf einen Schlag ganz einfach Kartenzahlungen akzeptieren.

Vor allem aber geht es um „eine intelligente Verknüpfung von Einzelfunktionen wie Loyalty, Couponing oder Payment, um durch eine passgenaue Aussteuerung den Checkout zu vereinfachen“, so Norbert Gödicke, Geschäftsführer NuBON, Hamburg. „Mut und Innovationsfreude sind gefragt. Es gilt also, sich zu informieren, vorhandene oder geplante technische Infrastrukturen zu durchdenken und Pilotprojekte zu starten.“
Fazit: Der Einzelhandel ist gut beraten, sich mit Mobile Payment intensiv auseinanderzusetzen. Zu den aktuell diskutierten Erfolgskriterien gehören dabei laut Stefan Krüger, Valuephone (Berlin) vor allem fünf Faktoren:

1. Der Handel kann den mobilen Lifestyle der Verbraucher zur Frequenzsteigerung nutzen. „Marketing mit dem Smartphone wird in Kürze der dominierende Kanal sein.“

2. Mit der richtigen Strategie schafft Mobiles Bezahlen Nutzen für Händler und Verbraucher. Gerade die direkte Kundenkommunikation ist eine innovative Form der Kundenbindung. Die Vorteile für die Kunden sind mobile Coupons oder Bonuspunkte, die automatisch berücksichtigt werden. Krüger: „Mobiles Bezahlen ist schneller als das Bezahlen mit Bargeld oder EC-Karte, es ist bequem und cool.“

3. Die Zahlungsabwicklung muss im Hintergrund ablaufen - sicher, transparent und reibungslos: Das Bezahlsystem sollte so konstruiert sein, dass keine Kontodaten des Verbrauchers auf dem Mobiltelefon, beim Händler oder bei Dienstleistern gespeichert sind.

4. Die Prozesse des Mobilen Bezahlens müssen zu den bestehenden Prozessen des Händlers passen. Die Daten des Handels über Preise und Warenmenge liegen nur beim Händler. Außerdem dürfen dem Händler keine verdeckten Kosten durch Zahlungsausfälle und Risikoübernahmen entstehen.

5. Das optimale Mobile Payment-System sollte geringe Einstiegshürden haben. Dazu gehören auch direkte Nutzbarkeit durch Lastschriftverfahren sowie intuitive Bedienbarkeit in der Menuführung. „Für Kunden muss Mobile Payment ein Einkaufserlebnis statt ein simples Bezahlverfahren sein, also eingebettet in andere mobile Dienste.“

Längst haben sich auch die Anbieter von Kassensoftware auf diese rasante Entwicklung eingestellt. Immer häufiger lässt sich deren IT vernetzen. Gemeint sind Schnittstellen, die die Einsatzmöglichkeiten der Kassensoftware in Richtung Mobile Payment erweitern. Dazu Christian Jürs, Head of Sales bei Futura Retail Solution (Stelle/Hamburg): „Unsere Lösung ist fit für Mobile Payment. Sie unterstützt sämtliche Bezahlmodelle, von der SEPA-konformen Lastschrift bis hin zum Zahlen per Smartphone.“

Die EuroCIS 2015 in den Hallen 9 und 10 des Düsseldorfer Messegeländes ist für Fachbesucher von Dienstag, 24. Februar, bis Donnerstag, 26. Februar, täglich von 10.00 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 22,- Euro (17 Euro im Online-Vorverkauf), das Zwei-Tages-Ticket 40,- Euro (30 Euro im OVV). Studenten und Auszubildende zahlen 10,- Euro. Alle Eintrittskarten beinhalten die kostenlose Hin- und Rückfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln des Personennahverkehrs.