Nachhaltigkeit ist noch zu selten im Messebau

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Interview mit Simon Damböck, Geschäftsführer Atelier Damböck Messebau

Seit 30 Jahren bietet atelier damböck aus Neufinsing bei München Konzeption und Realisierung von Messeauftritten. Geschäftsführer ist der Betriebswirt Simon Damböck. Er berichtet, dass sein Unternehmen jährlich über 300 Messe- und Veranstaltungstermine betreut. Mit der Initiative Greenstands will er mehr Nachhaltigkeit in die Messehallen bringen und den CO₂-Ausstoß reduzieren. Darüber sprachen wir mit ihm ebenso wie über den Handel und die EuroShop.

Messebau ist noch kein grünes Thema. Wo wird aus Ihrer Sicht vor, während und nach einer Messe am meisten gesündigt?


Begriffe wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden noch zu selten mit Messebau in Verbindung gebracht. Wer bei Messen hinter den Kulissen arbeitet, weiß wie viel Abfall sich ansammelt. Die Müllberge nach dem Abbau eines Messestandes sind wohl jedem bekannt. Doch gerade hier besteht ein großes Potenzial etwas zu ändern.

Wie kann mit einfachen Mitteln viel für die Umwelt getan werden?

Ausschlaggebend ist der Einsatz umweltfreundlicher Materialien. So versuchen die Mitarbeiter von atelier damböck beispielsweise, Verbundmaterial zu vermeiden oder Lacke und Farben auf Wasserbasis zu verwenden. Wir sind immer auf der Suche nach Lieferanten für umweltfreundliche Produkte, um unseren Kunden eine große Auswahl bieten zu können. Bei einem klimaneutralen Stand geht es langfristig aber auch darum, die Einzelteile so lange wie möglich zu verwenden, Energie einzusparen und die Logistik des Auf- und Abbaus inklusive Transport zu optimieren.

Wie hat sich der Anteil nicht-konventioneller Messestände in den letzten Jahren entwickelt?

Da unsere Kunden – und selbstverständlich auch wir – einen hohen Design-Anspruch haben, versuchen wir diesen mit dem Thema Umweltschutz zu verbinden. Dabei muss der ideale Mittelweg gefunden werden, um alle Bedürfnisse und Anforderungen – sowohl an das Design, als auch an die Funktionalität und die Umwelt – zu erfüllen. Der Anteil an klimaneutralen Messeständen unserer Kunden lag im letzten Jahr bei rund 25 Prozent, Tendenz steigend. Gerade bei Neuaufträgen wird dieses Thema immer wichtiger.

Lohnt sich das Recycling von Spanplatten, Teppichböden oder Stellwänden?

Auf jeden Fall lohnt es sich. Bei atelier damböck werden beispielsweise nicht mehr benötigte Wandelemente zu Transportkisten umfunktioniert. Spanplatten sowie Holzabfälle werden in einer firmeneigenen Hackschnitzel-Anlage zerkleinert, zu Pellets gepresst und zur Beheizung des eigenen Firmengebäudes verwendet.

Gibt es den klimaneutralen Messestand?

Sicher wird es den vollständig emissionsfreien Stand nicht geben. Gerade deshalb ist es jedoch umso wichtiger, den CO₂-Ausstoß auf ein mögliches Minimum zu reduzieren. Um dann einen klimaneutralen Messestand zu realisieren, müssen die verbleibenden Emissionen ermittelt und durch den Erwerb von anerkannten Klimaschutz-Zertifikaten ausgeglichen werden.

 
 

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Welche Klimaprojekte unterstützen Sie mit den CO₂-Zertifikaten?

Unsere Kunden können aus einem Portfolio von 10 bis 15 Klimaschutzprojekten wählen, um die für den Messestand ermittelten CO₂-Emissionen auszugleichen. Zur Auswahl stehen beispielsweise Projekte im Bereich Wasserkraft, Windenergie, Geothermie und Aufforstung, die alle feste Standards erfüllen.

Wer sind Ihre Kunden?

Unsere Kunden kommen aus den verschiedensten Bereichen und sind oftmals unter den Marktführern ihrer Branche. Wir betreuen dabei nicht nur Kunden aus Deutschland, sondern auch internationale Unternehmen mit deren weltweiten Messeauftritten.

Sie waren Aussteller auf der EuroShop. Wie kam Ihr grünes Konzept an?

Das Prinzip des klimaneutralen Messestands stieß bei den Besuchern auf sehr großes Interesse und zeigt damit auch, dass wir mit unserer Initiative „greenstands“ auf dem richtigen Weg sind. Für den Messeauftritt von atelier damböck wurde ein besonderes Standkonzept entworfen und umgesetzt. Hierzu wurden Abfallmaterialien aus dem Messebau gesammelt und mit neuer Funktion wieder eingesetzt, beispielsweise als Wand- und Dekorationselemente sowie Treppenstufen aus bereits verwendeten Spanplatten. Weiterer Abfall wurde vermieden, indem herkömmliche Folien- und Stoffgrafiken durch Wandprojektionen ersetzt wurden. Um eine große Papierflut zu vermeiden, wurden programmierte iPads eingesetzt, auf denen Referenzprojekte betrachtet werden konnten. Auf die Ausgabe von gedruckten Broschüren wurde auf der Messe komplett verzichtet, da aus Erfahrung ein Großteil der mitgenommenen Unterlagen schnell wieder im Papierkorb landen.

 
 

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Sind daraus konkrete Aufträge aus dem Handel geworden?

Wir haben aufgrund unseres Messeauftritts auf der EuroShop zahlreiche Anfragen für Messekonzepte aus den verschiedensten Branchen erhalten.

Was kann der Handel vom Messebau lernen?

Die Strukturen im Handel sind zu denen im Messebau sehr unterschiedlich. Zwar betreuen wir auch Kunden aus dem Handel, jedoch im Bereich Messekonzepte und Realisierung von Messeauftritten. Der Messestand ist meist für nur wenige Tage Präsentation geplant. Demnach gibt es auch für die Anforderungen zur Materialwahl und Produktpräsentation große Unterschiede zu den Ansprüchen beim Handel oder Ladenbau.

Welche Bodenbeläge empfehlen Sie dem umweltbewussten Händler?

Im Bereich Messebau kann beispielsweise auf immer mehr umweltfreundliche Materialien zurückgegriffen werden. So gibt es Teppiche, die wieder in ihre einzelnen Bestandteile getrennt und demnach leichter recycelt werden können. Eine Alternative sind auch Teppichfliesen, da so bei einer Verschmutzung oder Beschädigung des Teppichs nur die betreffende Stelle ausgetauscht und nicht der gesamte Teppich entsorgt werden muss. Hier lassen sich eventuell auch interessante umweltfreundliche Varianten für den Handel finden. Immer mehr Lieferanten erkennen bereits die steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten und bieten diese auch vermehrt an.

Messebau und Handel – beide hängen ab von der Logistik. Was halten Sie für vernünftig in Sachen CO₂-Reduktion?

Im Messebau kann leider nicht auf den LKW-Transport verzichtet werden. Jedoch kann der Transport meist noch optimiert werden. LKWs werden bei uns nur nach dem Transportvolumen gebucht, so dass eine optimale Auslastung gewährleistet ist. Des Weiteren werden unsere Fahrer auf effizientes Fahren geschult um sich eine umweltfreundliche Fahrweise anzueignen. Mitarbeiter sind zudem angehalten, soweit möglich, als Verkehrsmittel zu Kundenterminen und Messen die Bahn zu wählen.

Interview: René Schellbach, EuroShop.de

 
 

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