Neue Oberflächen und Raumkonzepte für den Ladenbau

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Ladenbauer und Inneneinrichter haben die Qual der Wahl: Ihnen stehen für Dekoration und Raumgestaltung immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Neu entwickelte Oberflächen sehen aus wie echtes Holz, Stein oder Beton, sind aber viel leichter und einfacher zu vereinbaren. Oder man entscheidet sich für unverwechselbare Kreationen – rau, glänzend, matt. Möbel, Raumteiler oder Bespannungen müssen längst nicht mehr nur flach und eckig sein.

Der Messebau ist Trendsetter, der Dekorationsbau für den Handel findet hier mannigfache Anregungen. Große Messestände sind Ladengestaltungen auf Zeit. Dabei kommen neue Materialien zum Einsatz, die sich auch für den stationären Handel empfehlen. Im Bereich Dekorationsbau bieten EuroShop-Aussteller ihre Erfahrungen aus dem Messebau auch für den Ladenbau an. Sie arbeiten als Zulieferer und Ideengeber mit Ladenbauern zusammen oder bieten ihre Dienste dem Handel direkt an.

Die Anbieter empfehlen Oberflächenkombinationen, welche die Markenpräsentation unverwechselbar machen sollen. „Oberfläche ist Emotion“, heißt es zum Beispiel bei tendermark fine surface aus Seelze bei Hannover. Jeder Marke ihre eigene Oberfläche – das würde das haptische Erleben beim Einkaufen erweitern. Das setzt jedoch voraus, dass die Kunden den Unterschied zu den Wettbewerbern auch wahrnehmen. tendermark sieht sich als Manufaktur, in der mit Handarbeit individuelle Oberflächen für Marken gestaltet werden. Diese kann man sogar als Patent oder Gebrauchsmuster schützen lassen.

Naturmaterialien – täuschend echt oder kreativ neu

Seit Jahren sind in der Ladengestaltung Naturmaterialien gefragt. Sie wecken ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Im EuroShop-Interview sagt Edmund Ostrowski, Geschäftsführer WVS, Bad Wurzach: „Ein Trend im Holzbereich ist nach wie vor die gute alte Eiche“, neben vielen anderen Holzarten. Gefragt seien jedoch nicht nur glatte Furniere, sondern geräuchertes, verwittertes Aussehen, Spalt-Optiken, sägerauhe Oberflächen. WVS ist keine Schreinerei, sondern Hersteller von Werkstoffverbundsystemen. Was aussieht wie Holz, ist in Wahrheit ein täuschend echtes Imitat. Das gilt auch für Beton oder Stein.

 
 

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Vintage Look heißt ein Trend der letzten Jahre. Gemeint sind Gebrauchsspuren. Neues wird auf alt getrimmt: Rost und Altholz sollen für Authentizität sorgen. Raue Oberflächen haben zwei Vorteile: Im Streiflicht wird die dreidimensionale Struktur sichtbar, und fürs Tasten und Fühlen bieten sie ein besonderes Erlebnis. Dabei kann man entweder alte Materialien einsetzen, was mühsam ist, weil sie erst gesammelt und aufgearbeitet werden müssen. Oder man wählt Nachbildungen. Imitate sind nur dann gut, wenn sie dem natürlichen Vorbild zum Verwechseln ähnlich sind. Dann jedoch zahlen sich ihre Vorteile aus – neben den geringeren Kosten auch in der leichteren Verarbeitung.

Inzwischen geht es den Oberfächen-Gestaltern längst nicht nur um die Nachbildung der Natur. Entwickelt werden auch Oberflächen, die es in der Natur gar nicht gibt. So bietet Haigis & Schultz aus dem niedersächsischen Ottendorf sechseinhalb Millimeter starke Steinplatten für den Messe-, Laden- und Schiffsbau an. Es sind Imitate, die viel leichter sind als das Original, die man zudem einfach zuschneiden, verkleben und auch biegen kann. Mit Gehrungsschnitt entstehen so „Stein“-Würfel mit bis zu 1,20 Meter Kantenlänge. „So was finden Sie in der Natur nicht, das sieht für die Warenpräsentation aber toll aus“, sagt Vertriebsleiter Erwin Winter.

Kunststofffolien – Überzug für viel Kreativität

Grundlage vieler neuartiger Oberflächen sind Kunststofffolien. Mit ihnen lassen sich Möbel, Bauelemente und technische Geräte veredeln. "Das kann man sich vorstellen wie das Verlaufen eines Schmelzkäses." So erklärt Uwe Maszkiewicz von Renolit aus Worms das Herstellungsprinzip. Im Vakuum erhitzt und gepresst, nimmt die Folie die Oberflächenstruktur des Untergrundes an. Damit kann man raue Holzoberflächen für die Bedientheke ebenso gestalten wie dreidimensionale Logos für die Wand.

 
 

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Renolit ist als Partner der verarbeitenden Industrie Zulieferer für Möbel- wie auch Automobil-Hersteller. Erstmals war man 2011 auf der EuroShop. „Wir haben im Handel Neuland betreten“, sagt Maszkiewicz. „Architekten und Ladenbauer setzten die Technologie kaum ein, weil sie sie nicht kannten.“ Längst sei im Möbelbau die Zeit vorbei, als nur eckige Platten beschichtet werden konnten. Im Ladenbau sind auch dreidimensionale, abgerundete Strukturen möglich.

„Wir waren auf der EuroShop mit einem Nonsense-Stand“, sagt Maszkiewicz und meint damit: Die gezeigten Formen hatten keine Funktion, um freie Assoziationen zuzulassen.. Dafür gab es den „red dot communication award“. Nach der Messe nahm Renolit an diversen Ausschreibungen aus dem Handel teil, konkret Sichtbares gibt es noch nicht. Projekte im Hotels und der Gastronomie wurden aber bereits realisiert.

Raumgestaltung mit Textilbahnen

Eine ganz andere Möglichkeit der Raumgestaltung im Dekorationsbau erläutert Oliver Hopert, Geschäftsführer von Procedes Digital Printing, im zweiten Interview zu diesem Fokus-Thema. Procedes bedruckt Textilbahnen bis hin zum Großformat. Von vorn oder hinten beleuchtet, ergeben sich auch hier vielfältige Möglichkeiten in der Raumgestaltung. Der Handel hat die Qual der Wahl.

René Schellbach, EuroShop.de

03/09/2012

 
 

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