Technik muss auch in alten Gebäuden funktionieren

Ralph Lang; © Lang
Interview mit Ralph Lang, Produktmanager Lang Shop & Objekt

Mode- und Livestyle-Welten, Gastronomie, Hotels, Kanzleien, Arztpraxen und Büros sind die Schwerpunkte von Lang Shop & Objekt aus Dortmund. „Wir vermeiden eine einheitliche Zeichensprache“, sagt Inhaber Ralph Lang. Es gehe um das Alleinstellungsmerkmal für die jeweiligen Kunden. Wir fragten ihn nach Chancen und Problemen bei Gebäuden unter Denkmalschutz.


„Wenn der Denkmalschutz kommt, dann wird ein Umbau teuer und dauert viel länger als geplant.“ Stimmt das?

Leider ist das so richtig umschrieben. Die Planung und leider auch die Ausführungskosten sind wegen der vielen Bauauflagen für Gebäude mit Denkmalschutz zeitintensiver und daher teurer als ein normales Bauvorhaben.


Ist Denkmalschutz eine Einschränkung für den Ladenbau?

Nein, in keinster Weise! Der Kreativität sind dadurch keine Grenzen gesetzt.


Wo sollten die Behörden umdenken, wo sollten Händler kompromissbereiter werden?

Denkmalschutz der äußeren Gebäudehülle macht Sinn. Im Innenausbau ist für die neu einzubauende Technik – TGA-Lüftung, Sprinkleranlage – ein größerer Gestaltungsfreiraum notwendig. Hier sollten die Behörden mehr Entgegenkommen zeigen. Für den Händler entstehen keine Probleme, da diese meistens durch das Planungsteam gelöst werden.


Welche Händler sind aus Ihrer Sicht besonders offen für Immobilien im historischen Bestand?

Kunden aus den Bereichen Gastronomie, Museen, Konzert- und Theaterhäuser, mittelständische Unternehmen – aber keine Filialisten.


Wie reagieren die Verbraucher auf modernes Design in alten Gebäuden?

Gut und aufgeschlossen, Nachhaltigkeit durch Bauen im Bestand wird befürwortet.

 
 

Restaurant „View“ in Dortmund; © Lang
Restaurant „View“ in Dortmund: Modernes Ambiente in einem alten Brauerei-Gebäude. © Lang


Bei „alt“ denkt man an Fachwerk und Schlösser. Wie gehen Sie jedoch mit Bauten aus den fünfziger und sechziger Jahren um?

Alles ist erst einmal möglich. Auch in Bauten aus den fünfziger und sechziger Jahren können tolle Läden entstehen. Wichtig ist, dass die einzubauende Technik gut umsetzbar ist.


Fassadengestaltung unter Denkmalschutz ist eine sensible Sache. Sollen sich Händler auch ohne Satzung mit schlichten Schildern begnügen?

Unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Behörden für Denkmalschutz sind eigentlich gut. In persönlichen Gesprächen lässt sich durch Vorzeigen bereits realisierter Projekte viel bewegen.


Denkmalschützer kritisieren die oft riesigen Schaufenster im Erdgeschoss alter Häuser. Notwendiges Übel für gute Warenpräsentation oder geht es auch anders?

Oft reicht schon der Rückbau zum ursprünglichen Bestand, wo die Fenster zum Teil größer waren. Die optimale und machbare Lösung müssen nicht weit voneinander entfernt sein.


Auf welchen historischen Laden aus Ihrem Repertoire sind Sie persönlich besonders stolz?

Stolz bin ich auf das Restaurant „View“ in der 7. Etage im Dortmunder U-Turm. Hier wurde das historische Wahrzeichen der alten Union-Brauerei zu einem neuen Zentrum für Kultur und Kreativität mit eindrucksvoller Gastronomie. Das Gebäude hat im Wesentlichen sein altes historisches Aussehen behalten. Die Hülle wurde gereinigt, neues Blattgold wurde auf das neun Meter hohe U aufgetragen. Beim Innenausbau blieb der Charme des monumentalen Industriedenkmals erhalten, wobei die notwendige einzubauende Technik realisiert wurde.

Interview: René Schellbach, EuroShop.de

 
 

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