WeChat: Das chinesische Facebook – nur besser!

Foto: Frau blickt auf ihr Handy; copyright: panthermedia.net/imptmphoto

"Vergessen Sie den kleinen Schwarzen Freitag. Singles Day, der weltweit größte Onlineshopping-Tag des Jahres, ging gerade zu Ende. Innerhalb von 24 Stunden gaben Chinas Käufer rund 17,8 Milliarden US-Dollar (14,2 Milliarden Pfund) aus", schreibt The Telegraph im November. In Deutschland hingegen kennt gut die Hälfte der Kunden den Black Friday noch gar nicht, fand das EHI in einer Kundenbefragung heraus. Weder im stationären noch im Online-Handel ist der Black Friday ein Begriff. Von einem Singles Day mal ganz zu schweigen. Der digitalen chinesischen Konsumfreude hinken die Deutschen gnadenlos hinterher.

Der Onlinehandel boomt in China, insbesondere das mobile Shopping erfreut sich wachsender Beliebtheit. Schon heute kaufen zwei Drittel der chinesischen Konsumenten mindestens einmal im Monat mit ihren Handys ein. Zwei Drittel von rund 1,4 Milliarden Chinesen. Nirgends wird den Kunden das mobile Einkaufen so komfortabel gestaltet wie in China. WeChat hat dabei eine besondere Karriere hingelegt. Als Chat-Programm gestartet ist es bei vielen Chinesen inzwischen zum mobilen Browser avanciert. Über das chinesische Pendant zu Facebook können sie nicht nur chatten und liken, genauso einfach stöbern sie durch die digitalen Schaufenster der Händler, bestellen Waren und bezahlen per Klick. Überall, zu jeder Zeit und sehr bequem. Und weil es so einfach ist, machen es eben auch sehr viele.

Bild: Logo von WeChat; Copyright: WeChat

Das Chat-Programm WeChat ist das chinesische Pendat zu Facebook und bietet seinen Anwendern viele Möglichkeiten - auch im Bereich des Handels; © WeChat

Für Chinesen bedeute WeChat das halbe Leben, denn die App erleichtere ihnen viele Alltagsdinge, erklärt das Hongkonger Beratungsunternehmen Azoya in einem Handelsblatt-Artikel. Einzelhändler aus allen Branchen, von Banken über Modemarken bis hin zu Apotheken, machten deswegen die App zur Heimat ihrer offiziellen Onlineshops. Dior hat vor kurzem als erste Luxusmarke einen Account eröffnet, um Handtaschen auf WeChat zu verkaufen.

Okay, in Deutschland ist der mobile Commerce auch angekommen. Besonders in der Weihnachtszeit, die für den Handel ja bekanntermaßen die umsatzstärkste Zeit im Jahr ist, entdecken die Deutschen ihr Smartphone als Shoppinghelfer. Zalando gibt sogar an, dass zwei Drittel seiner Online-Kunden in der Vorweihnachtszeit den Shop von einem Smartphone oder Tablet-Computer aus besuchen. Allerdings kaufen nicht alle diese Kunden tatsächlich ein. Aber immerhin die Hälfte wählt Schuhe, Jacken oder Röcke mit ihrem mobilen Endgerät aus. Wie häufig per Handy gekauft wurde, sagt das Unternehmen jedoch nicht. Auch Esprit spricht von einem überproportionalen Mobile-Traffic-Wachstum von über 60 Prozent, berichtet das Handelsblatt. Von mobilen Käufen ist auch hier nicht die Rede.

Das chinesische Handy-Shopping ist dem der Deutschen eben um einige Jahre voraus. Deshalb überlegen deutsche Luxusmarken, ihren chinesischen Kunden das Bezahlen über Anbieter wie WeChat in ihren stationären Häusern in deutschen Metropolen einzurichten.

WeChat ist es gelungen, so viele Funktionalitäten auf einer Plattform zu vereinen, dass viele andere überflüssig werden. Es beheimatet die Kommunikationsströme zwischen Kunden und Unternehmen – und genau das ist das Erfolgsrezept der Mega-Shopping-Days!

Autorin: Ute Holtmann, Januar 2017