Der LEH sieht sich mit einem wirtschaftlich angespannten Umfeld konfrontiert. Die Margen im europäischen Lebensmittelhandel bleiben strukturell unter Druck: Die EBIT-Marge verharrt bei nur 2,8 Prozent, während die Kostenquote (SG&A) seit 2024 mit 19,7 Prozent der Erlöse auf einem Höchststand verharrt. Lohnkosten steigen europaweit deutlich schneller als die Lebensmittelinflation, was den Ausbau personalintensiver Gastronomie-Konzepte in den Filialen zusätzlich verteuert.
Hinzu kommt struktureller Gegenwind auf mehreren Ebenen: Discounter bauen ihre Marktanteile kontinuierlich weiter aus, Eigenmarken erreichen inzwischen einen Wertanteil von 40 Prozent, und der Online-Handel wächst zwar langsamer als in den Vorjahren, bleibt aber ein Kanal mit eigener Dynamik und eigenen Kundenbindungen. Für Lebensmittelhändler bedeutet das verschärften Wettbewerb um Fläche, Investitionsbudget und Kundenaufmerksamkeit.
Auch geopolitische Herausforderung nehmen zu, was Energiepreise steigen und Lieferketten unsicherer und teurer werden lässt. Das erschwert die Kalkulation von Frisch- und Convenience-Angeboten, die besonders kosten- und logistiksensibel sind.
Vor diesem Hintergrund ist der Ausbau von Food-Service-Angeboten ambivalent: Einerseits verschärfen Kostendruck, Personalintensität und geopolitische Unsicherheiten gerade die Bedingungen, unter denen Investitionen in neue Ladenkonzepte stattfinden müssen. Andererseits bietet Food-Service Händlern eine strategische Option, neue Wachstumsfelder jenseits des klassischen Warenkorbs zu erschließen. Die Handelsgastronomie kann zudem als Differenzierungshebel dienen, um Kundinnen und Kunden angesichts wachsender Konkurrenz stationär zu binden. Investitionen in Food-Service bleiben damit eine strategische Wette: Sie bieten Zugang zu einem der am schnellsten wachsenden Profitpools im Handel, verlangen aber zugleich zusätzliches Kapital und Betriebskosten in einer Phase, in der viele Grocer ohnehin um jeden Margenpunkt kämpfen.