Die Sicherung der Nahversorgung auf dem Land ist eine politische und gesellschaftliche Aufgabe, denn Versorgung und Lebensqualität sollten auch außerhalb der Städte sichergestellt werden. Dazu gehören neben dem Einzelhandel auch die Versorgung mit Bargeld, mit medizinischen Leistungen und dem öffentlichen Nahverkehr.
Der Einzelhandel hat in kleineren Gemeinden traditionell auch eine soziale Funktion als Treffpunkt. Inwiefern können automatisierte Stores und hybride Formate dieser Aufgabe gerecht werden?
Ein Blick auf die Praxis zeigt: Automatisierung und soziale Einbindung schließen sich nicht zwingend aus – die Anbieter setzen dabei allerdings unterschiedliche Schwerpunkte. Bei Tante Enso ist die Teilhabe über die genossenschaftliche Organisationsform strukturell verankert: Als Mitglied erhält jede Person eine Stimme auf der jährlichen Generalversammlung, kann über ein Wünsch-dir-was-Format Sortiments- und Servicewünsche einbringen und wird bei der Gestaltung neuer Filialen aktiv einbezogen. Hinzu kommt ein quartalsweises Sponsoring-Programm: Erreicht eine Filiale ihr Umsatzziel, fließen bis zu 400 Euro in ein Dorf-Projekt, über das die Bewohnerinnen und Bewohner per Befragung selbst entscheiden – vom Lastenrad bis zu neuen Trikots für den Fußballverein. Der Name Enso, japanisch für "Kreis", und das Logo sollen genau dieses Prinzip der Gemeinschaft symbolisieren.
Auch Unser Schopp setzt auf Mitgestaltung, wenn auch in kleinerem Rahmen: Über einen Bürgerbeirat können Bewohnerinnen und Bewohner ihren Dorfladen mitgestalten, sowohl beim Sortiment als auch bei Ideen für gemeinsame Veranstaltungen. Je nach Location können die Dorfläden auch durch Sitzplätze oder einen überdachten Außensitzplatz ergänzt werden. So wird der Container zu einem Ort, an dem Einkaufen und Verweilen zusammenfinden.
Die Strategie der beiden Anbieter: Wer sich vor Ort sozial engagiert, stärkt die Bindung an die eigene Marke.
Zugleich bleibt das Betreiben von Geschäften in der Peripherie eine wirtschaftliche Herausforderung, für den Handel ebenso wie für Kommunen und Technologieanbieter. Ob unbemannter Container, teilautomatisierte Filiale oder genossenschaftlich getragener Markt: Am Ende zählt, ob sich ein Standort tragfähig betreiben lässt.